Die  nationalen  Berhältnisse  der  Arensharde  und  der  südl.  angl.  Harden.  191

Eine  Betrachtung  der  Arensharde  mit  den  Kirchspielen  Haddeby
(zum  Teil),  Hollingsted,  St.  Michaelis  und  Treia  hat  in  nationaler
Beziehung  zu  dem  Ergebnis  geführt,  daß  sich  eine  eigentliche  niederdeutsche
  Kolonisation  d.  h.  die  Gründung  rein  deutscher  Dörfer  in  älterer
Zeit  hier  nicht  nachweisen  läßt,  wenn  man  nicht  als  eine  solche  das
singuläre  Waterberg  ansehen  will.  Diese  Gegenden  waren  ebenso  wie
Schwansen,  im  Gegensatz  zu  dem  eigentlichen  Fräzlät,  schon  längst  von
den  Jüten  besetzt,  ehe  die  Niederdeutschen  von  Süden  her  allmählich
nach  Norden  vordrangen.  Die  Verbreitung  des  deutschen  Volkstums
konnte  demnach  nördlich  von  dem  Dänenwall  und  nördlich  von  der
Schlei  nur  entweder  durch  allmähliche  Besitznahme  und  Erwerbung  der
jütischen  Boole  stattfinden,  wie  dieses  weiter  im  Süden  für  die  ursprünglich
  jütischen  Dörfer  feststeht,  oder  aber  durch  allmähliches  Zurückdrängen
  der  jütischen  Mundart  durch  das  Niederdeutsche,  ohne  daß  ein
Wechsel  in  der  Bevölkerung  eintrat.  Wie  wir  gesehen,  ist  das  letztere
in  den  behandelten  Kirchspielen  je  weiter  nach  Norden  immer  stärker  der
Fall  gewesen;  nicht  ein  Wechsel  der  Bevölkerung  sondern  ein  Sprachwechsel
  hat  in  diesen  Gebieten  stattgefunden  und  im  Laufe  der  neueren  Zeit
auch  in  derselben  Weise  das  östliche  Gebiet,  die  ganze  Landschaft  Angeln,
in  seinen  Bereich  gezogen.  Wohl  sind  einzelne  niederdeutsche  Familien,
die  durch  Kauf,  Erbschaft  oder  durch  Heranziehung  seitens  der  kirchlichen
  und  weltlichen  Grundherren  zu  Besitz  kamen,  hier  schon  früh
als  ansässig  nachzuweisen,  aber  ihre  Zahl  war  zu  gering,  als  daß  sie
für  eine  Veränderung  des  Volkstums  hätten  in  Betracht  kommen  können;
sie  nahmen  vielmehr  leicht  die  herrschende  Sprache  der  jütischen  Bevölkerung
  an.  Um  auch  hierin  einen  klaren  Einblick  zu  gewinnen,
wollen  wir  die  Volksverhältnisse  in  den  im  Osten  des  Kirchspiels
St.  Michaelis  und  der  Schlei  zunächst  liegenden  auglischen  Harden
etwas  näher  in  Betracht  ziehen.

In  den  Steuerregistern  v.  J.  1542  werden  in  der  der  Stadt
Schleswig  benachbarten  Struxdorfharde  in  39  Ortschaften  im  ganzen
182  landesherrliche  Bewohner  aufgeführt  und  unter  diesen  sind  nur
25  niederdeutsche  Namen;  die  Schliesharde  und  Mohrkirchen  mit  22
Dörfern  und  113  größeren  und  kleineren  Besitzern  bieten  nur  17  Niederdeutsche;
  Loit  z.  B.  zählt  unter  10  nur  4,  Saxtorp  unter  9  nur  2,
Esmark  unter  7  nur  2,  in  den  anderen,  auch  größeren  Dörfern  treten