192  Die  Jüten  und  die  Sachsen  in  der  Landschaft  zwischen  Schlei  und  Eider  und  in  der  Arensharde.

sie  vielfach  gar  nicht  oder  nur  ganz  vereinzelt  auf.  Eine  genauere
Betrachtung  der  Steueransätze  ergibt  dabei,  daß  unter  den  25  Niederdeutschen
  der  Struxdorfharde  nur  7  eigentliche  Vollhufner  oder  Bonden
und  unter  den  17  der  beiden  anderen  Harden  nur  6  Bonden  waren;
alle  anderen  sind  nur  kleine  Besitzer  oder  auch  Gaardseten.  Über  die
Herkunft  der  meisten  geben  uns  ihre  Namen  ziemlich  deutliche  Auskunft:
Schroeder  (6),  Smit  oder  Klensmit  (4),  Bartscher  (1),  Suder  (1),
Schomaker  (1),  Dreger  (1),  Hoppener  (1),  dann  Köster  (1).  Anscheinend
  ist  danach  der  niederdeutsche  Handwerker  hier  zuerst  eingedrungen,
  um  sich  nach  und  nach  seßhaft  zu  machen  und  zum  Teil  auch
in  Besitz  von  Landstellen  zu  gelangen.  Neben  ihnen  treten  nur  vereinzelt
  andere  niederdeutsche  Namen  wie  Scheele  (2),  Arnth  (2),  Dowe
Rusch,  Mau  oder  Maug  auf,  die  z.  T.  auch  im  Süden  der  Schlei
als  Familiennamen  sich  wiederholen.  )

Wenig  anders  ist  der  Stand  in  den  kirchlichen  und  adeligen  Gebieten
  der  Landschaft.  In  dem  Dorfe  Füsing  z.  B.  gibt  es  im  Jahre
1509  unter  16  bischöflichen  Lansten  6  niederdeutsche  mit  Namen  wie
Harder,  Sirick,  Sarow,  Poleman  und  Schroeder,  in  Taarsted  unter
10  nur  3  niederdeutsche,  Wyth,  Brun  und  Hans  Kremer.  In  dem
ehemaligen  großen  Gute  Runtoft  (Rundhof)  mit  allen  Dörfern  und
Streuhufen  kommen  1460  unter  90  Lansten  zwar  bereits  23  niederdeutsche
  vor,  unter  denen  2  Havemeister,  2  Smit,  1  Schütte,  3
Schröder,  1  Peltzer,  1  Rüter,  aber  die  große  Masse  der  Bevölkerung
ist  in  den  landesherrlichen  wie  in  den  kirchlichen  und  adeligen  Distrikten
um  1500  in  ganz  Angeln  noch  ziemlich  rein  jütischen  Stammes;  der
geringe  nieder  deutsche  Bestandteil  mußte  unter  gewöhnlichen  Umständen
von  der  heimischen  Bevölkerung  bald  völlig  ausfgesogen  werden.  Aber
trotz  dieser  alten  seßhaft  bleibenden  Bevölkerung  jütischen  Stammes
und  dieser  geringen  Einwanderung  Niederdeutscher  hat  bekanntlich  im
mittleren  östlichen  Schleswig  sich  nach  und  nach  ein  völliger  Sprachwechsel
  vollzogen.  Über  diesen  eigenartigen  Vorgang  läßt  sich  im  all-1)

  Dasselbe  nationale  Verhältnis  der  Bevölkerung  in  der  Struxdorsharde
ergeben  auch  eine  Dingswinde  und  ein  Protokoll  aus  den  Jahren  1489  und  1490
(Sach,  Geschichte  der  Stadt  Schleswig  339  ff.),  worin  unter  56  Bonden  nur
Brun,  Maße,  Harder,  Douwe,  im  ganzen  höchstens  5  niederdeutsche  Namen
auftreten.