Die  Herrschaft  des  Niederdeutschen  u.  d.  Übergang  z.  Hochdeutschen  l.  d.  Reglerungskanzlesen.  193

gemeinen  schon  jetzt  feststellen,  daß  die  sprachlichen  Verhältnisse  in
Angeln  bereits  im  16.  Jahrhundert  nicht  anders  lagen  als  in  der
Landschaft  Eidersted,  wo  das  Friesische  aus  gleichen  Gründen,  wenn
auch  schon  etwas  früher,  dem  Niederdeutschen  unterlag.  1)  Um  diesen
sprachlichen  Prozeß,  der  zunächst  zu  einer  Doppelsprache  führte  d.  h.
den  größten  Teil  der  Bevölkerung  doppelsprachig  machte,  in  seinem
Ursprung  und  seiner  stufenweisen  Entwickelung  richtig  zu  verstehen,
müssen  wir  zunächst  einen  kurzen  Blick  auf  die  bedeutsame  Stellung
werfen,  die  das  Niederdeutsche  hier  wie  im  Norden  sich  der  bisherigen
Volkssprache  gegenüber  errungen  hatte.

B.  Die  Herrschaft  des  Miederdentschen  und  der  Ubergang
zum  Hochdentschen  in  den  Begierungskanzleien.

Die  niederdeutsche  Sprache  ist,  seitdem  die  Kolonisation  im  strengen
Sinne  des  Wortes  an  dem  Dänenwall  ihr  Ende  erreicht  hatte,  die
eigentliche  Trägerin  des  deutschen  Volkstums  im  Herzogtum  Schleswig
geworden.  Das  Zusammenwirken  mancherlei  Umstände  sowohl  im
politischen  als  im  bürgerlichen  Leben  trug  dazu  bei,  ihr  diese  bedeutsame
  Stellung  zu  verleihen.  Wohin  sie  drang,  gewann  sie  alsbald
den  Vorrang;  vor  ihren  kräftigen  Lauten  wich  zunächst  und  am  meisten
die  friesische  und  dann  auch  die  jütische  Sprache  nach  und  nach  zurück
um  zuletzt  in  weiten  Gebieten  ganz  zu  verstummen.  Die  Vorgänge,
die  diese  Sprachumwälzung  hervorgerufen  und  gefördert  haben,  die
eigentümliche  Entwickelung,  die  sie  genommen  hat,  näher  zu  verfolgen,
ist  um  so  mehr  von  besonderem  Interesse  in  einem  Grenzlande,  je
länger  dieser  Sprachkampf  gedauert  und  je  mehr  er  noch  bis  in  unsere
Zeit  hineinreicht.

Es  war  die  Zeit  der  zweiten  Hälfte  des  14.  Jahrhunderts,  wo
die  niedersächsische  Sprache  in  ganz  Norddeutschland  ihre  Kraft  zu
entwickeln  begann,  um  dann  im  15.  zu  einer  hohen  Blüte  und  Ausbildung
  zu  gelangen,  die  sie  zu  einer  dem  Hochdeutschen  völlig  gleich-1)

  Abteil.  II.  163.  64.
Sach,  Das  Herzogtum  Schleswig.  III.  13