Die  Gerrschaft  des  Niederdeutschen  u.  d.  Übergang  3.  Hochdeutschen  i.  d.  Reglerungskanzleien.  195

Ein  anderer  Sänger  suchte  die  schauenburgischen  Grasen  von  Hostein
und  nicht  weniger  die  Gunst  des  Herzogs  Waldemar  durch  Loblieder  zu
gewinnen,  wenn  er  in  hochdeutscher  Sprache  anhebt:

Ein  lop  daz  sol  mir  erklingen.  von  Slesewic;  vor  schanden

ich  wilz  an  die  gornden  bringen,  kunt  ir  iuch  beschirmen  schöne,
üt  daz  siz  den  besten  singen  diz  lop  iuwer  tugent  ze  löne
schöne  in  den  landen  sing  ich  in  disem  niuwen  döne:
her  herzoge,  sit  gemeit,  zuht  habet  ir  in  baoden.

diz  lop  hän  ich  an  iuch  gebrüht,

Derselbe  Herzog  Waldemar  ist  es,  in  dessen  Kanzlei  meines  Wissens
zuerst  die  niederdeutsche  Sprache  Verwendung  fand;  es  ist  die  Urkunde
  v.  J.  1325  (2.  April),  worin  der  Junker  Waldemar  ein  Bündnis
mit  dem  Grafen  Johann  von  Holstein  abschließt  und  ihm  das  Land  zwischen
Schlei  und  Eider  verpfändet.  Ihm  folgten  selbst  die  dänischen  Könige
in  ihren  Verhandlungen  mit  den  holsteinischen  Grafen,  wenn  1329
(12.  Nov.)  „We  Cristofer  van  der  ghnade  ghodes  en  koningh  dher
denen“  zu  Ringsted  eine  Urkunde  ausstellt,  worin  er  sich  mit  dem  Grafen
Johann  vergleicht.  Besonders  seit  dem  Jahre  1340  wiederholen  sich
die  niederdeutschen  Diplome,  in  denen  Waldemar  sich  van  godes  gnaden
hertoghe  van  Slesewich  nennt.)  Und  nicht  bloß  in  den  Verträgen
mit  dem  holsteinischen  Grafen,  sondern  selbst  in  denen  mit  dem  König
von  Dänemark  kommt  das  Niederdeutsche  zur  Anwendung,  als  er
z.  B.  1340  (19.  Mai)  mit  diesem  Frieden  schließt  und  ihm  seine
Schwester  Heilwig  vermählt.  Neben  diesen  Königs=  und  Herzogsurkunden,
  die  die  große  Zahl  der  lateinischen  noch  in  demselben  Jahrhundert
  begleiten,  zeigen  andere,  daß  auch  in  den  höheren  Ständen
des  Herzogtums  das  Niederdeutsche  zur  amtlichen  Sprache  erhoben
war.  Bezeugen  doch  am  Schlusse  des  Jahrhunderts  (6.  Oktbr.  1397)
die  auf  dem  Landesting  zu  Urnehoved  versammelten  hohen  Geistlichen
von  Bypen,  Sleswik  und  Hadersleve,  die  Vertreter  der  Ritterschaft
sowie  die  Stadträte  von  Flensburg,  Schleswig  und  Sonderburg  in
drei  verschiedenen  Urkunden  in  schöner  niederdeutscher  Sprache,  daß
die  Herzogin  Elisabeth  dem  Herzog  Gerhard  das  Herzogtum  zu  einer
Erbschöte  übertragen  habe.:)  Die  Sprache  der  Hansa  hatte  so  ihren

1)  Hasse  III.  555.  771.  1055.  1056.  1065.  1070.  1072  u.  a.
2)  Urkundensammlung  II.  385ff.
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