200  Die  Herrschaft  des  Niederdeutschen  u.  d.  Übergang  z.  Hochdeutschen  i.  d.  Neglerungskanzleien.

deutsch  an  den  Rat  von  Flensburg  schreibt,  sind  die  übrigen  bekannten
Briefe,  4  an  den  König  Johann,  10  an  den  Rat  in  Lübeck,  2  an
das  Haderslebener  Kapitel,  3  an  die  Amtleute  in  Flensburg  und
Rendsburg,  3  an  den  Rat  von  Flensburg,  Hadersleben  und  Stade,
2  an  Bürger  in  Flensburg  und  Stade,  4  an  den  Thumpropsten  in
Hamburg  und  1  an  Gotzigk  von  Anefelt  zur  Steinburg,  hochdeutsch
abgefaßt.  Die  Sprache  in  diesen  Urkunden  ist  eigenartig  genug;  einige
sind  rein  hochdeutsch  und  können  von  einem  obersichsischen  Kanzler
entworfen  sein,  andere  enthalten  zahlreiche  niederdeutsche  Formen,  ja
manchmal  geht  die  hochdeutsche  Rede  ganz  wieder  ins  Niederdeutsche
über;  so  beginnt  ein  Schreiben  an  König  Johann  v.  19.  Juli  15112

Unse  wyllige  rlitige  dinnste  unnd  wes  wy  inn  bröderlichen  trawen  mher
liebs  unnd  gutz  vermögenn,  zuvor.  Durchluchtigster  konungk,  hochgobornner
furste,  guedigster  herre  unnd  broder.  Jungst  sommers  hebenn  wy  jw.  k.  w.
schryfft  de  keyserlichen  anslege  van  den  reichsstennden  auff  das  lanndt  2w
Holstenn  geleget  belanngende,  unnd  das  wir  die  selben  dussor  lande  rethen
furhalden  solden,  jren  rüth  unnd  meFyninge  die  anslege  mitzutragen  darauftf
zu  erkunden,  unnd  kurtz  darnach  eyn  andere  mit  eingelegter  copyen  eyner
warnschawinge  der  von  Lubeglk  an  die  van  Fleusborch,  darausz  wir  vorstannden,
  das  den  gedachten  van  Lubegk  unnd  jren  Dyplichtern  als  e.  k.  w.
viannden  ok  alle  to  unnd  affur  dorch  uns  solde  verbotten  werden,  upe  welck
berde  schriwen  wyr  e.  k.  w.  dozumäl  geanntwort,  das  die  sclbenn  unns
nicht  allein,  sonnder  prelatenn  und  mannen  dusser  land  mit  belanngete
unnde  wir  mit  mercklicher  sulves  personlicher  mühe  by  annsem  nyen  dyke
umbgoben  woren;  sobalde  aber  der  zusamen  in  ettwas  bestandes  queme,
wolden  wir  e.  k.  w.  beger  allennthalven  lewen  usw.

Am  11.  Dez.  1511  heißt  es  in  einem  Briefe  an  seinen  Bruder:
Dewyle  wy  dann  darinne  besiuden,  dat  sick  de  gebreken  bytolegen  der  hochgebornn
  curfurst  herr  Joachim,  maregrere  zeu  Branndenburg  etc.  unnser
lieber  öhm  unnd  swager,  darin  geslagen,  haben  wir  uns  e.  k.  m.  umb  sulch
gunst  und  szulassen  zcum  bandel  antzusuchen  enthalden,  der  ungezweiffelten
scuversicht,  sein  lieb  werde  darinne  fruchtbarlich  zcu  handeln  und  die
jrrungen  zeu  vertragen  keyn  vleisz,  mühe  noch  arbeit  sparen.

Ein  anderer  hochdeutscher  Brief  an  den  Lübecker  Rat  schließt  mit
folgenden  Worten:  Dat  wy  jw  jnn  gnaden  geneigt  nicht  wolden  verhalthen.
Datum  uppem  nyonn  dicke.

Diplomatarium  Flensb.  II.  50  ff.  und  Matthiessen:  Diplomatarium  collegiü
cononicorum  Hadersleb.  46  ff.  Jensen-Michelsen,  Kirchengeschichte  III.  327  fi.
In  Regesta  diplomat.  historiae  danicac  series  secunda  S.  1150  u.  f.  werden
diese  Urkunden,  für  mich  unbegreiflich,  für  „platideutsch“  erklärt.