Die  Herrschaft  des  Niederdeutschen  u.  d.  Ubergang  z.  Hochdeutschen  i.  d.  Reglerungskanzleten.  201

Um  nun  von  dem  etwas  reineren  Hochdeutsch,  wie  es  zum  erstenmal
  in  der  landesherrlichen  Kanzlei  unseres  Landes  auftritt,  eine  Vorstellung
  zu  geben,  teilen  wir  hier  zwei  kurze  Schreiben  des  Herzogs
vom  1.  September  1511  mit,  die,  wie  der  Inhalt  zeigt,  noch  ganz
der  katholischen  Zeit  angehören.

1.  Herzog  Friedrich  an  das  Kapitel  zu  Hadersleben.

Vunszer  beszonnder  gunst  zuvor.  Wirdigonn  liebenn  andechtigen.  Als
unser  fraw  muter,  der  got  vom  himmel  gnedig  sey,  ausz  milder  andacht
euch  allen  und  der  stifftkirchen  zu  Hadersleben  zu  eren  und  bestandt  eine
lectorey  gefundirt  und  etzlich  gelt  von  dem  rathe  daselbst  dar  zu  lichen
gegeben,  welch  gelt  ir  doch  ein  zeitlangk  under  euch  selbst  geteillet,  keinen
lector  gehalden,  das  unser  frawen  mutter  andacht  auch  der  fundacion  dar
uber  vollen  zogen  gar  nicht  gemesz,  und  wie  wol  das  mehr  dann  eins  durch
unser  amptleude  mit  euch  (ge)  handelt,  baben  wir  doch  dem  bisher  keine
anderungh  befunden,  derwegen  uns  als  verfolger  unser  fraw  muter  g..igen
und  milden  andhacht  nicht  gezimen  wil,  euch  solch  gelt  under  einander
teilen  zu  volgen  und  die  lectorey  lenger  zu  vaciron  lassen,  darumb  wir  dem
rath  zu  Hadersleuen  gebothenn  sulch  gelt  an  sich  zu  halden  und  nicht  auszzugeben,
  Szo  lange  wir  sehen  und  selbst  erkennen,  das  ir  einen  vorstendigen
und  gougsamen  lector  haben,  und  unser  frawen  mutter  gestiffte  gnugk  thutt;
der  halben  an  euch  gantzer  ernster  meynungh,  begern  und  willen,  ir  den
rath  sulchs  geldes  halben  gantz  und  al  unbemuhet  ungemanet  lasset  und
euch  an  sie  mit  geistlicher  furderung  bis  zu  der  zeit  nicht  sterket.  Daran
geschidt  unser  ernste  und  gantze  meyouoge.

Datum  (leria)  post  Augustini.

An  das  Capittel  zu  Hadersleue.

2.  Herzog  Friedrich  an  den  Bürgermeister  und  Rat  zu  Hadersleben.

Voser  gunst  zuvor.  Ersamen  lewen  getreuen.  Wir  baben  euch  jungst
ernstlich  gebothenn,  das  gelt  szo  unser  fraw  mutter  löblicher  gedechtnis  uff
euch  zu  der  lectorer  zu  Hadersleue  mülder  andacht  gegeben,  nicht  ausz
Zugeben,  82zo  lange  unser  frawen  mutter  andacht  volge  und  gnugk  geschecht
und  wir  selbst  befunden,  das  die  thumherren  einen  lector  hotten,  der  gougsam
  were;  demselben  szo  nach  ist  noch  unser  gantze  ernste  meyning  und
beuel,  ir  wollet  angetoget  gelt  gar  und  al  von  euch  nicht  geben  noch  reichen.
szo  lange  ir  des  von  uns  weytern  beuel  erlanget,  haben  auch  hieneben  an
das  Capittel  geschriben  euch  deshalben  ungefurdert  und  unbemuhet  zu  lassen;
zuvorsichtig  demselbem  alszo  thun  werden.  Das  wir  euch  darnach  zu  richten
nicht  mochten  vorhalden.  Datum  ut  supra.

An  den  rath  zu  Hadersleue.