212  C.  Die  natlonale  Entwickelung  der  Städte.

niederdeutschen  Volkstum  ab.  Obwohl  die  Stadt  zwischen  jütischen  Ansiedelungen
  wie  Borgheby  und  Windeby  sich  allmählich  erhob  und  selbst
mit  dem  ersteren  jahrhundertelang  in  Feldgemeinschaft  stand,  sind  in  ihr
doch  urkundlich  keine  jütischen  Einflüsse  nachzuweisen.  Die  Straßennamen,
  wie  Brückstrat,  Fischerstrat,  Stendam,  Reperban,  Jumferstiig
u.  a.  sind  dieselben,  wie  sie  in  niederdeutschen  Städten  gewöhnlich  vorkommen,
  mit  Ausnahme  des  vielgenannten,  auf  jütisch-dänischem  wie
auf  niedersächsischem  Boden  auftretenden  Katsunt,  dessen  Herkunft
und  Bedeutung  wir  weiter  unten  bei  der  Stadt  Schleswig  näher
erläutern  werden.  Soweit  mir  bekannt  ist,  läßt  sich  die  Benennung
hier  urkundlich  zuerst  um  1580  nachweisen.!)  Zum  Zeichen  niederdeutschen
  Wesens  und  als  Wahrzeichen  der  Marktfreiheit  erhob  sich  auch
in  Eckernförde,  wie  in  Schleswig,  Hadersleben,  Tondern,  Flensburg  und
wahrscheinlich  auch  in  Apenrade,  die  hohe  Rolandssäule  auf  dem  Marktplatz
  als  monumentaler  Träger  der  üblichen  Marktzeichen  wie  Schwert,
Schild,  Fahne,  Handschuh  und  Hut  und  bildete  lange  Zeit  ein  redendes
Zeugnis  von  dem  starken  Einfluß,  den  die  niederdeutschen  Städte  auch
auf  die  nördlichen,  mit  jütischem  Recht  begabten  Städte  ausübte.)

1)  Der  auffällige  und  allein  in  Eckernförde  vorkommende  Name  Kakabellebek
erklärt  sich  wohl  aus  ehemaligen  benachbarten  Bierbrauereien.  Über  seinen  Ursprung
  weiß  Heinrich  Ranzan  1597  folgendes  zu  erzählen  (Westph.  I.  54):
Cerevisia  salubris  admodum  celebris  est,  dunm  cacabillam,  duod  bene  caccare
faciat  (sit  honos  auribus)  nominant  auctore  Reimundo  cardinale  (1503).  Ipse
enim  italice  dixerat  cacabello,  unde  incolae  nominarunt  cacabillam.  Bereits
1515  triti  auch  in  Flensburg  kakebille  aus  Eckernförde  auf:  1517,  Febr.  12
bemerkt  der  Bischof  Ahlefeld  in  einer  Bestätigungsurkunde  der  Statuten  des
Haderslebener  Kapitels  (Matthiessen:  Diplom.  cauonic.  Hadersl.  50):  quicunque
alicujus  premissorum  transgressor  erxstiterit,  solvat  pro  duolibet  ipsorum
exessu  choralibus  unam  tunnam  cerevisie  Ekelenfordensis  kakebille  nuncupatam.
  Ob  die  Entstehung  des  berühmten  Biernamens  bei  Ranzau  richtig  ist?
Bei  Pontoppidan  VII.  723  wird  behauptet,  das  Bier  habe  vorher  den  Namen
Quackeltheiß  geführt,  d.  h.  nach  mittelnied.  quageln  „gerinnen  machen“  benannt.
  Der  quabeldrank  des  nordfriesischen  Landrechts,  der  dort  zur  Erklärung
herangezogen  wird,  bedeutet  dagegen  „das  Tränken  und  Eintauchen  in  Schlamm“.
Da  nun  belle.  bills  im  Niederdeutschen  auch  clunis  bedeutet,  so  braucht  cacabille
  keine  Verdrehung  aus  dem  Italienischen  zu  sein.

2)  Ekelenforda,  antigunm  Holsatiae  ad  oceanum  peninsulare  oppidum
bei  Braunius  v.  J.  1580  zeigt  noch  den  Roland.  Wahrscheinlich  ist  er  seit  der