II.  Die  Stadt  Schleswig.  221

einer  Städterin  das  Land  oder  die  Erde  in  der  Stadt  und  in  dem
Dorfe  gleich  geteilt  werden  sollte,  wente  dat  het  uppe  denseh  bopenning;
  man  muß  daraus  schließen,  daß  der  Ausdruck  damals  noch
verstanden  ward.  Längst  war  dagegen  die  Bezeichnung  wibbelde
(Weichbild)  aus  dem  Niederdeutschen  herübergenommen;  erscheint  sie
doch  schon  im  lateinischen  Flensburger  Recht  §  19:  campus  civitatis,
guod  dicitur  vigbelt,  ja  schon  früh  in  mehreren  dänischen  Stadtrechten
wie  in  Odense  und  Randers.  1)  Wenn  auch  dafür  in  der  Begabung
des  Königs  Erich  von  Pommern,  der  in  allen  seinen  Erlassen  als
dänischer  Nationalherrscher  auftritt,  im  Jahre  1417  neben  bything
(Stadtting)  und  torffortugh  (Marktgeld)  wieder  das  ursprüngliche  bykrich
  erscheint,  so  sieht  man  doch  wieder  an  dem  Ausdruck  burgenses
(Bürger)  und  an  der  Erklärung  der  Worte  dies  fori  durch  marckes
daghe  in  derselben  Urkunde,  wie  das  Niederdeutsche  in  der  Stadt  zur
Herrschaft  gelangt  war  2),  als  eben  die  niederdeutsche  Übersetzung  des
Stadtrechts  erfolgt  war.)

Von  besonderem  Interesse  ist  eine  Reihe  von  örtlichen  Benennungen,
  die  aus  der  jütischen  zum  Teil  noch  weit  in  die  niederdeutsche
Zeit  hineinreichen.  Die  alten  Befestigungswerke  im  Norden  der  Stadt,
um  1291  Frisewircki,  Angelbowircki  und  Saldergater  genannt,  zeigen
durch  den  Ausdruck  -gater  (Gassen)  und  wirki  (Wall),  der  in  dieser
Bedeutung  nur  noch  in  Danaewirky  und  Kovvirki  erhalten  ist,  daß
sie  weit  in  eine  jütische  Vergangenheit  zurückgehen.")  Bereits  1413
erscheint  das  Friescnwerk  mit  deutschem  Namen,  an  die  Saltergater
erinnert  Solterbek  (1334)  und  Solterberg  (1413),  an  Angelbowircki
die  Angelboporte  (1450).  Die  meisten  älteren  Straßennamen  endigen
auf  -gatae  oder  gade;  wenn  auch  niederdeutsch  gate  (Gasse)  vor-1)

  Sach:  Ursprung  der  Stadt  Hadersleben  26.

2)  Noodt  I.  182.

3)  Danske  Atlas  VII.  507.  Seltsamerweise  sind  hier  als  dänische  Worte
unter  einer  größeren  Anzahl  auch  folgende  echt  niederdeutsche  aufgeführt:  Aalkiste,
  Baunerheer,  Dike,  Leemberg  (Flurname),  Wadenreep,  Watmel,  Wyntapper
  u.  a.  Auch  in  dem  Ausdruck  des  niederdeutschen  Stadtrechts  §  91:
twischen  der  sunnen  upganck  unde  daleganck  wird  nicht  leicht  jemand  daleganck
für  ein  dänisches  Wort  halten,  wie  das  noch  vor  einigen  Jahrzehnten  geschehen  ist.

4)  Über  -wircki  vergl.  Abt.  I.  10  ff.;  II.  135.