222  C.  Die  nationale  Entwickelung  der  Städte.

kommt,  so  lassen  sich  schwerlich  Namen  wie  Torrighgade  (1352),  später
Torfstrat,  heute  richtig  übersetzt  Marktstraße,  Frokegade  (1314),  Hunegatae
  (wahrscheinlich  nach  den  hier  gehaltenen  herrschaftlichen  Hunden
benannt),  Bekegatae  (1452),  Fiskergate  (1445)  u.  a.  darauf  zurückführen.
  Holmbro  (1450),  bereits  1481  Holmbrugge  genannt,  Bredebro
  1410  und  1445,  sowie  Brethebrogatae,  Laskebro  oder  brygge
by  dem  Soltfat  zeigen  offen  ihre  nicht  niederdeutsche  Herkunft;  in
anderen  Namen  tritt  dagegen  von  vornherein  das  niederdeutsche  -rgge
hervor,  wie  in  Monnikenbrygge  (1448);  auch  Rackerstieg  (Schinderstieg)
  1450,  sowie  Fuletwit  (1480)  bilden  einen  merkwürdigen  Gegensatz
zu  den  älteren  Benennungen.  Was  soll  man  unter  diesen  Umständen  zu
dem  Rammelsort  (—  Rammelswinkel)  1560,  Ramsbarg  (1565)  oder
von  dem  Katsunt  sagen,  der  im  Jahre  1512  in  Stadtrechnungen  zuerst
  vorkommt?  Hier  wollen  wir  nur  von  dem  letzteren,  schon  in
Eckernförde  genannten  Namen  etwas  ausführlicher  sprechen,  um  später
bei  Flensburg  auf  den  ersteren  zurückzukommen.

Der  Name  Katsund  erscheint  in  Lund  und  Malmö,  in  Kopenhagen,
  Nakskov,  Svendborg,  Aalborg,  Horsens,  in  Hadersleben,  Flensburg,
  Schleswig,  Eckernförde,  in  Heiligenhafen,  Lübeck,  Königsberg
und  in  Zeven  im  Hannoverschen,  d.  h.  ziemlich  gleichmäßig  auf  niederdeutschen,
  jütischen,  dänischen  und  skandinavischen  Gebieten,  meist  als  Benennungen
  enger  Straßen,  in  Königsberg  angeblich  für  „ein  senkrecht
auf  den  Pregel  stoßendes  Stück  Hafen“.!)  Alle  Städte,  in  denen  er
auftritt,  liegen,  wie  richtig  hervorgehoben  ist,  am  Wasser,  nur  nicht  Lund.
Aus  ·sund  d.  h.  Meerenge,  enge  Einfahrt  hat  man  geschlossen,  daß  der
Name  nordischen  Ursprungs  sei,  obwohl  sund  in  dieser  Bedeutung  auch
im  Angelsächsischen  und  schon  früh  im  Niederdeutschen  vorkommt;  er  stehe
mit  dem  Seewesen  und  der  Schiffahrt  in  irgend  einer  Verbindung,  und
demgemäß  trete  er  auch  in  Seestädten  auf  und  finde  sich  entweder  noch
heute  in  unmittelbarer  Nähe  des  Hafens  oder  da,  wo  in  älterer  Zeit  noch
ein  Hafen  nachzuweisen  sel.  Das  scheint  in  der  Tat  für  alle  Städte  zu
stimmen  bis  auf  Lund  und  Schleswig,  vielleicht  auch  für  Hadersleben.
In  Schleswig  ist  es  geradezu  unmöglich,  daß  der  hoch  am  Angelbo-1)

  Vergl.  Heimat  1899  Nr.  12  S.  239,  wo  J.  J.  Callsen  über  den  Namen

handelt.  Seiner  Ausführung  eninehme  ich  die  Ortsangaben  bis  auf  Horsens,
das  er  nicht  nennt.