224  C.  Die  nationale  Entwickelung  der  Städte.

nordische  Geographie  eingeführt.  Fest  steht,  daß  der  Name  erst  seit
der  Mitte  des  16.  Jahrhunderts,  wo  die  Holländer  zur  See  mächtig
wurden,  in  Gebrauch  gekommen  ist.  Stammte  nun  der  Ausdruck  Katsund
  erst  aus  dieser  Zeit,  so  wäre  die  Erklärung,  „Einfahrt  für  Katte“,
immerhin  denkbar,  wenngleich  kat  als  größeres  Schiff  für  die  örtliche
Lage  der  Straßen  immer  widerstreben  würde.  Sein  mehrfaches  Auftauchen
  um  mehr  als  150  Jahre  früher  macht  indes  diese  Deutung
aus  dem  Holländischen  völlig  unmöglich.  Muß  man  auch  das  niederdeutsche
  kat  (mhd.  quat),  Kot,  das  in  Kattsee,  Kattbek  seinen  Platz
haben  kann),  für  die  Erklärung  von  Katsund  ablehnen,  so  bleibt  nichts
anderes  übrig  als  katte  (Katze)  in  dem  im  Nieder=  und  Hochdeutschen
ganz  gewöhnlichen  Sinne  von  „Schanze  „Sturmwerk“,  „Blockhaus“  zu
fassen;  in  Rendsburg  hieß  z.  B.  eine  der  alten  Bastionen  die  Katze
oder  Katt;  im  Dänischen  wird  eine  Deckschanze  auf  einer  Bastion  so
genannt.  Diese  Art  von  Befestigung  findet  sich  in  der  mittelalterlichen
Befestigungskunst  meist  auf  erhöhten  Punkten,  sowohl  in  der  Nähe
des  Wassers  als  auch  an  anderen  besonders  bedrohten  Stellen.  Dabei
muß  man  annehmen,  daß  der  Ausdruck  sund,  enge  Einfahrt  im  Meere,
auf  die  enge  Gasse,  die  zu  der  katte  oder  an  ihr  vorüberführte,  übertragen
  ist.“)  Für  einen  ursprünglich  nordischen  Ursprung  ergibt  diese
Ausführung  nur  wenig  Anhalt;  er  kann  mit  demselben  Recht  auf  dem
niederdeutschen  Boden  der  Hansa  gesucht  werden.

Wir  wenden  uns  jetzt  einigen  Benennungen  zu,  die  innerhalb
der  Altstadt  und  des  Holmes  noch  ihre  Heimat  haben.  Sowohl  bei
dem  Dom  als  auch  bei  dem  St.  Johanniskloster  auf  dem  Holm,  der
seinen  Namen  als  Insel  oder  Halbinsel  schon  seit  der  jütischen  Zeit

1)  Das  als  Dorf-,  Feld=  und  Straßenname  auftretende  Katrepel  (z.  B.
Dörfer  in  Oldenburg,  Süderditmarschen,  im  Bremischen,  Straße  in  Hamburg
und  Braunschweig),  das  sich  meines  Wissens  auf  schleswigschem  Boden  nicht  nachweisen
  läßt,  hat  ohne  Zweifel  eben  diesen  Ursprung.  Die  in  einer  Braunschweigischen
  Urkunde  v.  J.  1606  gegebene  Deutung  als  katerhohl  ist  gänzlich
  abzulehnen,  da  bereits  1331  die  Form  cathrepel  (Tasse  III.  769:  in  manso
cathrepel  quattuor  modiis  siliginis)  in  einer  Hamburger  Urkunde  vorkommt.
Die  wahrscheinlichste  Erklärung  bietet  das  mhd.  quat  „Kot“.  Ubrigens  wird
in  der  Stadt  Oldenburg  in  Wagrien  ein  Katrepel  1387  genannt.

2)  Sach:  Geschichte  der  Stadt  Schleswig  19:  Ursprung  der  Stadt  Hadersleben
  10.  27.