II.  Die  Stadt  Schlezwig.  225

trägt,  wenngleich  holm  ein  auch  in  Holstein  altherkömmliches  Wort
ist,  nennt  man  den  Umgang  (ambitus)  noch  heute  im  Volksmunde  nur
Schwahl.  Das  Wort  ist  im  Niederdeutschen  ganz  unbekannt  und  kann
nur  auf  jütisch-dänisch  svale  kühl,  dann  sval  kühler  Gang,  isl.  svalir  pl.
zurückgeführt  werden.  Desselben  Ursprungs  ist  auch  die  in  älteren
Urkunden  mehrfach  auftretende  Bezeichnung  der  vergangenen  Dreifaltigkeits=
  oder  Trinitatiskirche  als  Sunte  Drochten  oder  Sunte  Drotten
(1452,  1481,  1483).  Zu  vergleichen  sind  die  Drottinskirche  in
Lund),  die  Drottenskirche  in  Viborg  u.  a.,  die  ebenso  wie  in
Schleswig  Trinitatiskirchen  bezeichnen.  Drot,  Druten,  Drottin,  Herr,
ist  im  Jütisch-Dänischen  derselbe  Name,  der  im  Niederdeutschen
druczete,  drossete,  drost,  hochdeutsch  Truchseß  lautet  und  in  Holstein
in  dem  Landrost  von  Pinneberg  noch  bis  in  die  neueste  Zeit  hinein
erhalten  war.

In  der  Umgebung  der  Altstadt  treffen  wir  in  älterer  Zeit  noch
auf  einige  Namen,  deren  Herkunft  und  Ursprung  nur  zum  Teil  auf
die  jütische  Zeit  zurückgehen.  Da  ist  zunächst  der  berühmte  Lollfuß,
nach  dem  heute  noch  ein  Stadttell  benannt  ist.  Urkundlich  erscheint
er  zuerst  in  einer  Stadtrechnung  um  1500  in  der  Form  Lolfoet  und
Lolfoot,  dann  1649  als  Lolld  Fueb.  Die  vergangene  capelle  sunte
Jurgens  unde  Jobs  negest  vor  Oottorp  (1518,  1528)  soll  nach  Angabe
  der  Chronisten  des  16.  und  17.  Jahrhunderts  einen  Teil  des
Fußes  des  h.  Lollus,  des  Erzbischofs  von  Mainz  und  Nachfolgers  des
Bonifatius,  als  wundertätige  Reliquie  enthalten  haben.  Ist  das  richtig,
so  könnte  der  Ausdruck  na  dem  Lolfoete  oder  to  dem  Lolfoete  von
dem  Wallfahrtswege  auf  den  gerade  an  diesem  Wege  entstandenen
Stadtteil  übertragen  sein.)  Eine  derartige  Benennung  nach  einer
Reliquie  ist  freilich  eine  ganz  singuläre  Erscheinung  und  die  Möglichkeit
vorhanden,  daß  wir  es  hier  mit  einer  aus  einer  falschen  Etymologie
entsprungenen  Sage  zu  tun  haben.  Zu  beachten  ist  auch  der  Name

1)  Langeb.  III.  570a.  —  Sach:  Geschichte  der  Stadt  Schleswig  67.

2)  Sach:  Geschichte  des  Stadt  Schleswig  94.  276.  Dabei  bemerke  ich  noch,
daß  es  auf  dem  Holm  ein  „Fußensholm“  nach  dem  Volksmunde  gibt,  das  man
ganz  unrichtig  neuerdings  „Fuß  am  Holm“  genannt  hat.  Mit  einem  „Fuß“  hat
der  Name  absolut  nichts  zu  schaffen.  Woraus  er  aber  verdreht  ist,  ist  schwer
festzustellen.

Sach,  Das  Herzogtum  Schletwig.  III.  15