226  C.  Die  natlonale  Entwickelung  der  Städte.

Fötjebarg,  den  früher  die  nördliche  Anhöhe  trug.  1)  Klarer  sehen  wir
bei  dem  noch  heute  bestehenden  Hesteberg  (1426);  von  den  älteren
Chronisten  mit  mons  equinus  oder  mons  caballinus  richtig  übersetzt,
hat  der  Name  später  eine  Anlehnung  an  niederd.  beister  (Elster)  oder
hester  (junge  Eiche  oder  Buche)  erfahren,  ohne  irgend  einen  urkundlichen
  Grund.)  Auch  die  1426  auf  der  Lollfußer  Schützenkoppel  von
König  Erich  von  Pommern  angelegte  Avensborg  oder  Owensborch,
von  der  noch  Spuren  in  Wallanlagen  zu  erkennen  sind,  trägt  einen
rein  dänischen  Namen  und  wird  von  einem  niederdeutschen  Chronisten
  mit  Hatesborch  (Hasses=  oder  Feindesburg)  übersetzt.7)  Für
Kennzeichnung  des  damaligen  Volkstums  hat  indes  der  Name  ebensowenig
  Bedeutung  wie  die  von  demselben  König  früher  in  seiner  Verleihung
  v.  J.  1417  erwähnten  dänischen  Benennungen  byfridh  und
brthing.  Anders  steht  es  mit  der  alten  Luseborg,  die  bereits  von
Ditmer  zum  Jahre  1283  genannt  wird.“!)  Vergleicht  man  damit
Lusaehögh  oder  Lusachog,  einen  Hügel  auf  dem  Viborger  Tingplatze  5),
Lyusapeld  1245  auf  Alsen  oder  die  mehrfach  auf  schleswigschem  Boden
auftretenden  Grabhügel  Lyshyg),  die  nach  dem  darauf  abgebrannten
Feuer  den  Namen  tragen,  so  liegt  es  nahe,  auch  unsere  Luseborch  als
Wachtfeuerburg  (Iisl.  lioss  lucidus,  lios  lnx,  liosheimr  domus  lucida)
zu  deuten;  der  sonst  noch  unter  den  Tondernschen  Flurnamen  1543
austretende  Name  erscheint  auffälligerweise  auch  bereits  mehrfach  in

1)  Langebek  in  Dansk.  Atlas  VII.  574  verwirft  die  obige  Deutung  durchaus;
  er  meint,  Lol-  sei  aus  einem  dänischen  Worte  verdreht.  Aber  aus  welchem?
Solange  dieses  nicht  nachgewiesen  ist,  bleibt  nichts  übrig,  als  auch  fernerhin  dem
wundertätigen  Fuß  des  h.  Lullus,  weun  auch  widerwillig,  unsere  Ehrfurcht  zu
bezeugen.

2)  Geschichte  der  Stadt  56.  Das  jütisch-dänische  Wort  hest,  heste  fehlt
im  Niederdeutschen;  doch  muß  es  spät  in  die  holsteinische  Volkssprache  eingedrungen
sein;  wenigstens  habe  ich  in  meiner  Ingend  sehr  oft  von  älteren  Leuten  im  östlichen
  Holstein  ein  abgetriebenes  blindes  Pferd  de  ohl  blinn  hess  nennen  hören.
Man  könnte  versucht  sein  zu  fragen,  ob  nicht  darauf  durch  miswerständliche  Ubertragung
  der  unerklärliche  Ansdruck  „der  blinde  llesse“  zurückzuführen  sei.

3)  Geschichte  der  Stadt  56.

4)  Geschichte  der  Stadt  63.  Ditmer  Chron.  I.  157.  Diese  alte  urkundliche
  Bezeugung  war  mir  bei  der  Abfassung  der  Geschichte  der  Stadt  entgangen.

5)  Langeb.  I.  80.  151.

6)  Abt.  II.  24.