LII.  Die  Stadt  Flensburg.  233

noch  weit  in  das  18.  Jahrhundert  hinein  in  den  Bürgerschulen  ihren
sicheren  Stand  behauptete;  auch  ist  uns  ein  Aktenstück  erhalten,  wonach
noch  um  die  Jahre  1620  bis  25  auf  der  loteinischen  Schule  (Domschule)
  neben  dem  sonst  herrschenden  Lateinischen  das  Niederdeutsche
als  Unterrichtssprache  nicht  beseitigt  war,  mochten  die  Lehrer  bei  amtlichen
  Schriftstücken  an  die  obersten  Behörden  oder  an  den  Herzog!)
sich  auch  schon  länger  des  Hochdeutschen  bedienen  und  die  Prediger
in  den  Kirchen  auch  Hochdeutsch  predigen.  Wegen  der  Leichengebühren
und  der  Stellung  der  sogenannten  Klippschulen  hatte  seit  lange  Streit
zwischen  der  Bürgerschaft  und  der  Schulkollegen  bestanden;  Klagen  und
Beschwerden  waren  deswegen  wiederholt  an  die  Domherren  gegangen,
zuletzt  hatte  eine  Anzahl  Bürger,  wie  es  scheint,  auch  Ratsmitglieder,
den  Antrag  auf  Absetzung  aller  Schulkollegen  gestellt.  Da  geschah  es,
daß  die  Schüler  eines  Tages  folgende  geschickt  ausgearbeitete  Vorlage,
die  der  Kantor  Johannes  Mensceverus  ihnen  zum  Übersetzen  ins  Lateinische
  diktiert  hatte,  mit  nach  Hause  brachten:

Copia  Schmäheschrifft  loco  exerciti;  den  Knaben  in  den  Schulen
zu  Schleswig  Dictiret  a  Cantore  Menscevero.

In  minem  lesten  schrivende  lavede  ick  dy,  ick  wolde  dy,  so  nies  sick
alhier  begeven  worde,  tho  weten  dohn.  Up  dat  ick  nu  miner  thosage
nakamen  möge,  magstu  weten,  dat  my  myn  broder  hüden  geschreven  hefft,
he  wolde  my,  ehr  ick  idt  vermoden  were,  besöken,  welckes  my  twar  lefk
iss,  bin  ock  willens  ehm  to  begegenen.  Wann  du  nu  woldest,  kondestu
morgen  tho  my  kamen,  so  wolde  wy  mit  einander  ehm  bejeyenen,  denn
ick  weth  wol,  dat  du  ebm  ock  gerne  sprekest.  Solckes  hebbe  ick  nu  tho
donde  genzlich  br  my  beslaten  und  bin  diner  vermoden.  Idt  hefft  my  ock
myn  broder  geschreven  wietlöfftig  genog,  dat  etliche  der  börger  alhier  to
Schlewieg,  denen  men  idt  nicht  wol  tho  gelovet  hedde,  der  saken  eins
geworden  und  de  scholgesellen  darsülvest  jegen  den  adelichen  domheren
verklaget  und  nicht  alleine  verklaget,  sondern  ock  van  ehnen  begebhret  dorch
ehren  affgesanden  Marcus  Brasen,  men  scholde  se  thosamen  eres  denstes
entsetten.  Wo  my  lier  aver  tho  mode  is,  kanstu  lichtlich  erachten;  doch
tröste  ick  my  mines  guden  gewetens  und  weth  my  ganz  unschuldig.  En
ieder  höde  sick  vor  der  dath,  der  lögen  wird  wol  rath.  Item  Clitipmo!  Wo

1)  Sach:  Schola  trivialis  seu  partionlaris  und  das  paedag.  publ.  im  16.
Jahrhundert.  24.,  wo  der  Konrektor  Matthiae  1586  hochdeutsch  an  den  Herzog
schreibt.