234  C.  Die  nationale  Entwickelunn  der  Städte.

düncket  dy.  wo  düncket  dy  nu?  Iss  dat  nicht  wat  nies?  Hiemit  Gott  befahlen,
hernamals  wietlöfftiger  darvan.
SchleBwig,  d.  27.  May.
Din  gude  fründ
Cordt  Wewer.
Soweit  ich  weiß,  ist  dieses  eigenartige  Exerzitium  das  einzige
und  zugleich  das  letzte  Zeugnis  von  dem  Gebrauch  des  Niederdeutschen
in  unseren  gelehrten  Schulen  zur  Zeit  des  dreißigjährigen  Krieges.')

III.  Die  Stadt  Flensburg.

Die  nationale  Entwickelung  der  Stadt  Flensburg  :)  hat  nur  im
allgemeinen  denselben  Gang  genommen  wie  die  der  Stadt  Schleswig;
es  treten  darin  schon  scit  alter  Zeit  gewisse  Unterschiede  hervor,  deren
Nachwirkungen  noch  bis  in  die  jüngst  verflossene  Vergangenheit,  ja
bis  in  die  Gegenwart  hinein  zu  spüren  sind.  Während  uns  für
Schleswig  aus  der  jütischen  Zeit  so  gut  wie  keine  schriftliche  Urkunde
überliefert  ist,  können  wir  in  Flensburg  auf  Grund  von  schriftlichen
Denkmalen  die  Dauer  jener  jütischen  Periode  genauer  feststellen.  Schon
daraus  geht  mit  Sicherheit  hervor,  daß  das  jütische  Volkstum  sich  in
Flensburg  weit  länger  erhalten  haben  muß,  als  dies  in  Schleswig

1)  Der  Verfasser  ward  von  dem  Rat  zur  Verantwortung  gezogen;  über
den  Verlauf  der  Untersuchung  ist  mir  indes  nichts  weiter  bekannt.  Nur  dies
eine  Aktenstück  ist  darüber  erhalten.

2)  Sejdelin:  Diplomatarium  Flensborgense.  Kiöbenbavn  1865.  —  Holdt:
Flensburg  früher  und  jetzt.  Fleusburg  1884.

3)  Die  ältesten  urkundlichen  Namensformen  Fleusaburgh  1251,  Flensaeburch
  1281,  Fleusaaburg,  dann  Flensborg  1240,  1267,  1282,  sowic  Benennungen
  wie  Flaenstoftae  1284,  Flensbek  (Mühlenau),  Floumole,  Vienmole
zeigen,  daß  der  Ort  unter  dem  Schutze  einer  „Burg  an  der  Flensau“  entstanden
  ist.  Ob  Flensan  ans  Fle-  nes  aa  oder  Flen-es-  aa  zusammengczogen
ist,  läßt  sich  nicht  sicher  feststellen.  Mehrfache  Wiederholungen  des  Namens  auf
lütisch=  skandinavischem  Gebicte  wie  Flen-  öre,  Flen-sted  oder  Flens-  berg  u.  a.
geben  keinen  besonderen  Ansschuß.  Nach  Jörgensen  ist  Üe  eine  oft  an  Flußufern
wachsende  Schilfart.  Beachtenswert  ist  die  bereits  von  Pontanus  (Descript.  Daniae
chorographica  656)  aufgestellte  Ableitung  a  sinu  maris  Balthico,  quem  Flenum
vdcari  perhibent.  Andere,  wie  Jac.  Meier  (Annales  rerum  fland.  Antwerp.
1561  S.  271)  nennen  VIen-s  maris  aestum.  Moller,  Isagoge  2.  262,  entschcidet
sich  mit  Rücksicht  auf  Fleusbeke,  cujus  nulla  jam  supersunt  vestigia,  für  die
letztere  Deutung.