240  C.  Die  narionale  Entwictiang  det  Stãbte

Art.  119:

Anigh  scal  kope#  hæst  eldser  hors  mothær  eldsr  scapeth  klth  eldær
ox  mæth  scalt  eddær  spiyyt.

wird  ganz  richtig  übersetzt  mit:

Nemant  scal  kopen  perde,  horsen,  sneden  cledere,  exen  mit  belüe,
spete  —

Auffällig  ist  daher,  wenn  Artikel  1:

Fathær  scal  the  giuæ  hwær  syn  thre  mark  penning,  skiold,  sworth
oc  spiyt,  af  æfn  ær  til
übertragen  wird:

Jodoch  scal  de  vader  geuen  dre  mark  penninge  islikeme  sone.  schilt,
swert  unde  pert,  is  dar  80  vele  to  vorne.4)

Entweder  hat  der  Übersetzer  falsch  hæst  in  seiner  Vorlage  gelesen,
oder  pert  ist  ein  Fehler  des  Abschreibers  für  spete.  In  der  Apenrader
  niederdeutschen  Übersetzung  ist  §  3  speedt  so  geschrieben,  daß
leicht  perdt  gelesen  werden  konnte.  Auch  andere  angefochtene  Stellen
sind,  wenn  auch  frei  übersetzt,  doch  richtig  verstanden,  z.  B.  §  51:
Kiötmangeer  scul  ei  gange  i  kiötscamael  (Fleischbankl)  —  de  knakenhouwer
  ))  scolen  nicht  gan  yn  de  scrangen;  ebenso  überträgt  auch
das  niederdeutsche  Schleswiger  Recht.  Von  besonderem  Interesse  ist
es,  wie  der  Flensburger  Übersetzer  bestimmte  jütische  oder  dänische
Ausdrücke  verdeutscht  oder  bewahrt;  für  bymark  setzt  er  veltmark,
gata  überträgt  er  immer  mit  strat,  für  bro  sagt  er  stets  brygge,
lithkop  gibt  er  mit  winkop  wieder,  sutær  mit  scomaker,  thegheengiald
  mit  sonegelde.  Dagegen  nimmt  er  alles,  was  der  Rechtssprache
entnommen  ist,  und  einige  andere  Ausdrücke  unverändert  herüber,  wie
arngeld,  görtzum  (görsum),  lachsocht,  santman,  attesael,  torchortich,
toftgeld,  lachsökent  und  selbst  laudbo.  Im  ganzen  muß  man  sagen,

nämlich  in  der  Apenrader  niederdeutschen  Übersetzung  der  skraa  8  122:  stelle;
es  muß  aber  niederd.  heißen  stele  oder  steele  (Stiel),  das  neuere  Wort  für
belüe.  Thorsen  kennt  die  Bedeutung  von  helüe  nicht.

1)  Schleswiger  Niederd.  R.  übersetzt  §  10  den  lateinischen  Text  richtig  mit:
eynen  schilt,  eyne  gleuien  (Lanze)  unde  eyn  swert,  isset  dat  det  gud  dor
is  to  gewende.  Die  Flensburger  niederd.  lbersetzung  v.  J.  1431  überträgt  gleichrichtig
  den  lateinischen  Text  mit:  enem  itzlichen  schne  dree  mark  geldes,
schild,  schwerdt  und  speet,  is  dat  gudt  darto,  gevende  (is  der  so  vele  to).

2)  Molbech,  Glossarium  I.  436  bemerkt  dazu  das  Richtige;  —  liotscammel
  eigentlich  „Fleischschemel“.