244  C.  Die  nationale  Entwickelung  der  Städte.

kaak  gestanden,  den  Vernon  1702  noch  sah;  „auf  den  öffentlichen
Plätzen  des  Landes“,  sagt  er  bei  Flensburg.  „findet  man  oft  die
Statue  eines  Mannes  auf  einem  Pfahl,  in  der  Linken  ein  Schwert,
in  der  Rechten  eiserne  Ruten  haltend“.  )  Indes  waltet  zwischen
Schleswig  und  Flensburg  doch  in  sprachlicher  Beziehung  ein  bedeutender
  Unterschied  ob.  Während  dort  um  1400  Niederdeutsch  nicht
bloß  Amts=  und  öffentliche  Sprache,  sondern  auch  Volkssprache  war,
kann  es  in  Flensburg  zu  der  Zeit  noch  nicht  das  Jütische  gänzlich
zurückgedrängt  haben;  dies  muß  als  Umgangssprache  neben  dem  höheren
Niederdeutsch  noch  von  einem  größeren  Bestandteil  der  Bevölkerung
geübt  sein,  weil  sich  sonst  die  eigentümliche  Entwickelung  der  Flensburger
Sprache  nicht  erklären  läßt.  Einen  direkten  Beweis  für  diese  Annahme
gewähren  auch  die  Namen  der  Bürger  aus  jener  Zeit,  die  in  einem
scharfen  Gegensatz  zu  den  gleichzeitigen  schleswigschen  stehen.

Aus  dem  lateinischen  Mitgliederverzeichnis  der  Laurentiusgilde
aus  den  Jahren  1377—  1390  heben  wir  zunächst  die  Namen  hervor,
die  deutschen  Ursprungs  sind  oder  einen  deutschen  Beinamen  tragen;
es  sind  im  Vergleich  zu  der  Menge  der  jütischen  nur  wenige,  und  fast
alle  gehören  sie  dem  Gewerbe=  oder  Handwerkerstande  an:

Thomas  Dreger  (Drechsler)  Hinricus  de  Lybik
Jacob  Fris,  dictus  Kremer  Marten  Lasson,  dictus  Grüs
Fedder  Kremer  Hans  Repescileger
Hinrik  Fresenholt  Andreas  Husfugyt
Las  Tymson,  dictus  Kymer  Johannes  Stoppelman,  dictus
(Böttcher)  Scriwer
Albert  Hoppenner  Gödeke  Mesmaker
Tyko  Murmester  Henneke  Lykfoed
Petrus  Lot,  dictus  Dreger  Tomas  und  Jacobus  Dregher.

Mehrere  Handwerker  sind  mit  lateinischen  Namen  beibenannt  wie  Jes

1)  Über  den  Roland  siehe  S.  212,  eine  üÜbersetzung  des  Vernonschen  Berichts
findet  sich  Falck  Archiv  II.  320  ff.  Der  Roland  in  Flensburg  war  in  seiner
letzten,  ganz  jungen,  noch  erhaltenen  Gestalt  ein  lebensgroßer,  aus  Kupferblech
getriebener  Krieger  in  Rokokotracht.  Die  Rute,  die  man  ihm  hier,  wie  anderswo,
  in  die  Hand  gegeben,  zengt  davon,  daß  die  alte  Bedeutung  des  Rolands
zurückgetreten  war;  es  hängt  dieses  Büttelzeichen  wohl  mit  seiner  Ausfstellung
auf  dem  kaak  zusammen.