262  C.  Die  nationale  Entwickelung  der  Städte.

Betalt  moth  sin  dat  gastgeboht,  K  Probst,  Burgermeister  hüte  dich,
de  urme  bohmhoff  vergelden  muth:  daß  du  nicht  handelst  untreulich.

In  den  Kirchen  zeigen  noch  mehrere  Inschriften,  wie  z.  B.  die
Taufe  in  der  Johanniskirche  (1592),  in  der  Marienkirche  (1591),  in
der  Nicolaikirche  (1479),  die  Grabtafeln  des  Bürgermeisters  Nacke
und  seiner  Frau  (1598)  in  St.  Marien  niederdeutsche  Rede.  Auch
der  Ratmann  Hans  Kellinghusen  hatte  an  seinem  Stuhl  in  der  Nicolaikirche
  eine  Tafel  mit  dem  Bilde  des  Todes  und  einem  längeren  Gedicht
  errichtet,  das  so  anhob:

Du  minsch,  siehe  doch  an  desse  gestalt,
du  bist  glick  schon  junk  ofte  alt,

du  wirst  ock  hebben  ein  sodan  form,

du  wirst  verstert  werden  van  dem  worm.

Demgegenüber  ist  die  hochdeutsche  Inschrift  einer  Gedenktafel,
die  der  Statthalter  Heinrich  Ranzau  für  seinen  1577  erstochenen
Knappen  Paul  Ochsenmundt  in  der  St.  Nicolaikirche  errichten  ließ,
für  die  Flensburger  Kirchensprache  ohne  jegliche  Bedeutung.

Von  den  Kirchenrechnungen  zeigen  die  von  St.  Nicolai  am  deutlichsten
  den  allmählichen  Ubergang  von  der  niederdeutschen  zur  hochdeutschen
  Kirchensprache.  Bis  zum  Jahre  1623  sind  sie  samt  der
Entlastung  seitens  des  Visitatoriums  nur  auf  niederdeutsch  geführt.
Von  1624  bis  1641  treten  neben  rein  niederdeutscher  Rechnung  hochdeutsche
  Entlastungen;  von  1642  bis  1648  ist  der  Hauptteil  der
Rechnung  niederdeutsch,  der  Schluß  nebst  der  Entlastung  hochdeutsch;
erst  seit  1649  herrscht  die  hochdeutsche  Sprache  ausschließlich.  Die
Sprache  der  Kirchengeschworenen  deckt  sich  in  dieser  Übergangszeit  in
der  Regel  nicht  mit  der  Kanzelsprache;  sie  halten  die  alte  Weise  noch
fest,  wenn  auch  die  Prediger  auf  der  Kanzel  bereits  der  neuen  Weise
huldigen.  Friedrich  Dame,  ein  Holsteiner  aus  der  Gegend  von  Preetz
(1600  —  1635),  predigte  als  Pastor  an  St.  Nicolai  anfangs  niederdeutsch,
  ging  dann  zum  Hochdeutschen  über,  weil,  wie  es  heißt,  die
Herzogin  Augusta.  Gemahlin  des  Herzogs  Johann  Adolf  und  Schwester
Christians  IV.,  das  Niederdeutsche  nicht  leiden  konnte;  wahrscheinlich
kehrte  aber  sein  Nachfolger  Johannes  Reinboht  (1636  —  39)  wieder
zu  der  alten  Weise,  wenigstens  zeitweilig,  zurück.  Der  Hauptpastor
bei  St.  Johannis,  M.  Gerhardus  Ouw,  ein  Flensburger  (1593  bis
1634),  hat  nach  einer  Außerung  des  Generalsuperintendenten  Paul