UI.  Die  Stadt  Flensburg.  253

v.  Eitzen  (1605),  der  ihn  wegen  seiner  vorgeschlagenen  Berufung  an
den  Schleswiger  Dom  hatte  predigen  hören:  „he  denet  nicht,  he
bringet  veel  hebräisch,  awer  disser  gemeine  denet  dat  dütsche  am
besten“,  sicher  bis  an  seinen  Tod  niederdeutsch  gepredigt,  wenn  seine
Schreiben  an  den  Rat  auch  in  hochdeutscher  Sprache  abgefaßt  sind;
wahrscheinlich  auch  sein  Sohn  und  Nachfolger  Gerhard  Ouw  (1634
bis  1653)  und  vielleicht  noch  dessen  Nachfolger  Joh.  Walther  (1653
bis  1659),  als  Sohn  des  Diakonus  Paul  Walther  an  St.  Marien.
In  St.  Marien  predigte  M.  Habacuc  Meyer,  ein  Westpfale  (1604
bis  1630),  wie  er  in  Tönning  getan,  niederdeutsch  und  ebenso  sein
Nachfolger  Johannes  Moht,  ein  Flensburger  (1630  —  48).  Die
Kanzelsprache  muß  in  Flensburg  allgemein  weit  über  1635  hinaus
niederdeutsch  gewesen  sein,  denn  sonst  wäre  es  nicht  begreiflich,  wie
Paul  Walther,  von  1627  bis  1640  Diakonus  an  St.  Marien,  im
Jahre  1635  sein  manuale  ecclesiasticum  edder  Kercken-Handbökeschen
  den  städtischen  Behörden  und  dem  Amtmann  widmen  konnte,
das  bis  zum  Erscheinen  des  hochdeutschen  Kirchenbuchs  von  Olearius
(1665)  in  allgemeinem  Gebrauch  war.  Auch  erfahren  wir  aus  einem
Briefe  des  Propstes  Christian  Lundius  (1735—  69),  daß  der  Rektor
Moller  sich  erinnere,  von  seinem  Vater,  dem  berühmten  Verfasser  von
Cimbria  litterata,  gehört  zu  haben,  der  Großvater  Claus  Moller  (1645
bis  1680),  Diakonus  an  St.  Nicolai,  habe  im  Anfang  seines  Amtes
noch  niederdeutsch  gepredigt,  bis  der  Pastor  an  St.  Nicolai  und  Propst
Stephan  Klotz  (1639—  1668)  überall  nach  und  nach  die  hochdeutsche
Kanzelsprache  eingeführt  habe.  1)  Völlig  verstummt  ist  in  Flensburg
die  niederdeutsche  Kanzelsprache  sicher  erst  ziemlich  nach  1650,  etwa  um
dieselbe  Zeit,  wo  das  Niederdeutsche  auch  aus  den  städtischen  Kanzleien
verschwand.

Mehr  als  100  Jahre  hatte  es  gedauert,  ehe  in  Flensburg  das
Hochdeutsche  der  landesherrlichen  Kanzleien  den  völligen  Sieg  errungen
hatte.  Dieser  Vorgang  zeigt,  welch  festen  Stand  das  Niederdeutsche
hier  bereits  gewonnen  hatte.  Aus  einer  Reihe  von  Urkunden  sieht

1)  Über  die  Wirksamkeit  des  Propstes  und  Generalsuperintendenten  Klotz,
der  nicht  sowohl  die  dänische  Literatursprache,  als  die  niederdeutsche  Sprache  von
den  Kanzeln  verdrängte,  siehe  weiter  unten  bei  der  Kirchensprache.  Allen  stellt
die  Sache  gänzlich  auf  den  Kopf;  I.  117  ff.