256  C.  Die  natlonale  Entwickelung  der  Städte.

Artikel  12  der  Schulgesetze  die  Jugend  zu  einem  reinen  Deutsch  bringen
solle,  den  umwechselnden  Gebrauch  der  dänischen  und  deutschen  Sprache
in  Vorschlag  bringe,  so  mache  ihm  das  als  einem  Schulmanne  wenig
Ehre;  sein  Vorschlag  sei  berufswidrig  und,  wie  jeder  Vernünftige,
auch  Unstudierte  gar  leicht  begreife,  höchst  schädlich  und  verderblich.
Die  gereizte  Antwort  findet  ihre  genügende  Erklärung  durch  den  erwähnten
  üblen  Ruf,  in  dem  die  Flensburger  Sprache  stand.  Bürgermeister
  und  Rat  weisen  auch  hin  auf  die  ungünstigen  Außerungen
Olaf  Borchs;  die  Erfahrung  beweise,  wie  schwierig  es  sei,  den  jungen
Leuten  eine  anständige  Aussprache  beizubringen  oder  ihnen  ein  reines
Deutsch  einzuflößen,  und  nun  komme  gar  Overbek  und  wolle  sie
Dänisch  lehren,  um  ihr  Deutsch  vollends  zu  verderben;  sein  Vorschlag
sei  einer  gesunden  Informationsmethode  gänzlich  zuwider  und  lediglich
als  ein  verderbliches  Mittel  anzusehen,  die  der  Jugend  einzuprägenden
einfachen  und  deutlichen  Begriffe  nur  zu  verwirren,  und  was  hie  und
da  etwa  ungleich  sein  möchte,  noch  viel  ärger  zu  machen.  Könne  aber
der  Kantor  am  Mittwoch  oder  Sonnabend  ohne  Nachteil  der  Schule
und  seiner  sonstigen  Obliegenheiten  mit  seiner  „angegebenen“  Sprachkunde
  der  Jugend  oder  anderen  Leuten  dienen,  so  bleibe  ihm  dieses
unverwehrt;  sonsten  müsse  man  ihn  mit  solchem  unweisen  Vorschlag
abzuweisen  alleruntertänigst  gebeten  haben.  Das  Oberkonsistorium  auf
Gottorp  sowie  die  deutsche  Kanzlei  stellten  sich  ganz  auf  den  Standpunkt
  des  Magistrats  und  erwirkten  eine  königliche  Resolution  vom
28.  April  1781,  wonach  es  Overbek  nur  gestattet  ward,  dänischen
Unterricht  in  der  von  dem  Magistrat  vorgeschlagenen  Weise  zu  erteilen.
Overbek  hat  denn  auch  demgemäß  verfahren;  nach  einem  Bericht  vom
Jahre  1794  ließ  er  die  Schüler  der  Oberklasse  „den  patriotiske
Tilfkuer“  lesen,  unterrichtete  auch  die  Mittelklassen  im  Dänischen  und
ließ  zuweilen  auch  dänische  Abhandlungen  schreiben.  Aber  alle  derartigen
  Bemühungen  hatten  wenig  bleibenden  Erfolg;  im  Jahre  1799,
meldet  Rivesell,  sei  die  Zahl  der  Beichtkinder  in  der  „dänischen  Kirche“
noch  ungefähr  1000  gewesen,  aber  durch  den  Geist  der  Zeit  jetzt  (1817)
sehr  klein  geworden;  auch  werde  die  dänische  (jütische)  Sprache  immer
mehr  von  der  (nieder)  deutschen  verdrängt;  es  gebe  keine  dänischen
Schulen  in  Flensburg,  und  der  Prediger  müsse  konfirmieren,  ohne  die
Schlechtunterrichteten  dahin  verweisen  zu  können.