III.  Die  Stadt  Flensdurg.  257

Während,  wie  oben  bemerkt,  die  städtischen  Behörden  einer  noch
größeren  Verderbnis  des  Hochdeutschen  durch  das  Dänische  zu  begegnen
suchten,  eifern  in  der  Folgezeit  andere  gegen  die  Neigung,  die  herrschende
  plattdeutsche  Sprache  durch  hochdeutsche  Worte  und  Wendungen
zu  verunzieren.  „So“,  ruft  Pastor  Valentiner  in  seiner  Chronik  der
Stadt  v.  J.  1820  unwillig  aus,  „stolpern  wir  immer  weiter,  bis  wir
eine  barbarische  Sprache  uns  aneignen,  wovor  wir  um  so  mehr  uns
hüten  müssen,  da  so  viele  dänische  Wörter  und  Wendungen  wegen  der
nahen  Grenze  in  unsere  Sprache  überlaufen,  die  wie  alles  Fremdartige
nicht  zieren,  sondern  verunzieren,  und  wir  z.  B  bleiben'  statt  „werden'
und  hundert  Worte  verkehrt  brauchen.“  Die  Sprachverhältnisse  nahmen,
wie  alle  Berichterstatter  überstimmend  bezeugen,  bis  zum  Jahre  1848
keine  wesentlich  andere  Gestalt  an.  Nach  Bischof  Martensen,  der  ein
wenig  südlich  vom  Nordertor  wohnte  und  um  das  Jahr  1817  Flensburg
  verließ,  war  zu  seiner  Zeit  Plattdeutsch  die  allgemeine  Umgangssprache;
  Professor  Hansen,  der  von  1836  —  51  außerhalb  des  Nordertors
  wohnte,  hat  eigentliche  Flensburger  niemals  unter  sich  „dänisch“
reden  hören;  selbst  die  dänisch  gesinnten  Knaben  des  nördlichen  Stadtteils,
  mit  denen  mancherlei  Kämpfe  ausgesochten  wurden,  sprachen
ebenso  wie  die  deutsch  gesinnten  das  herrschende  Flensburger  Plattdeutsch.
  Es  scheint  aber,  als  wenn  von  der  jütischen  Mundart  der
früheren  Zeit  auch  vor  1848  noch  geringe  Reste  übrig  geblieben
waren;  wenigstens  pflegten  damals  und  noch  später  die  Fischer  und
Krautfrauen  ihre  Waren  auf  „Dänisch“  auszurufen.  Auch  war,  wie
noch  heute,  ein  Teil  der  Bevölkerung,  Geschäftsleute,  Gastwirte  u.  a.,
des  Dänischen  oder  der  jütischen  Mundart  kundig  und  brauchte  naturgemäß
  diese  Sprachen  im  Verkehr  mit  der  jütisch  redenden  Landbevölkerung
  und  den  dänischen  Schiffern,  die  damals  zahlreich  den
Flensburger  Hafen  besuchten.  Nur  in  St.  Jürgen,  das  damals  noch  nicht
zur  eigentlichen  Stadt  gehörte,  sollen  die  Schiffskapitäne  in  ihren
Familien  „dänisch“  gesprochen  haben;  möglicherweise  hat  Allen  dieses
im  Auge  gehabt,  wenn  er  behauptet,  in  einem  Teile  Flensburgs
herrsche  (um  1856)  dänische  Familiensprache.  Was  sonst  aus  der  Umgegend
  an  Arbeitern  und  Dienstmädchen  zuzog,  pflegte  meist  seine  Mundart
  abzulegen  und  möglichst  rasch  das  Flensburger  Plattdeutsch  sich
anzueignen;  „dat  is  so  gemen  un  spreken  dänsch“  war  nach  Blaun-Sach,

  Das  Herzogtum  Schlezwig.  UI.  17