IV.  Die  Stadt  Apenrade.  259

3308  Bewohner  mit  „dänischer“  Muttersprache  aufführt,  erkennt  man
die  wirkliche  Sachlage  am  besten  aus  den  Geburts=  und  Sprachverhältnissen
  der  Kinder,  worüber  unter  dem  1.  März  1905  eine  Aufnahme
stattgefunden  hat.  1)  In  den  städtischen  Bürgerschulen  sprachen  danach
nur  deutsch  (d.  h.  plattdeutsch  und  hochdeutsch)  91,9  90  (im  ganzen  7195
Kinder),  nur  dänisch  (d.  h.  wohl  jütisch  und  literaturdänisch)  3,8  9/
(301  Kinder),  deutsch  und  dänisch  3,9  %  (308  Kinder).  Im  übrigen
geht,  wie  in  allen  großen  Städten  Norddeutschlands,  auch  in  Flensburg
  eine  Wandlung  der  Sprache  zuungunsten  des  Niederdeutschen
vor  sich;  es  tritt  gegen  das  Hochdeutsche  in  den  letzten  Jahrzehnten
immer  mehr  zurück,  namentlich  bei  dem  weiblichen  Geschlechte.  Das
Flensburger  Hochdeutsch  hat  dabei  im  gewöhnlichen  Leben  alle  Unarten
der  älteren  Zeit,  die  aus  dem  Jütischen  ins  Niederdeutsche  übergegangen
waren,  getreulich  aus  dem  Niederdeutschen  wieder  übernommen.  Wenngleich
  nun  in  neuerer  Zeit  eine  bedeutende  Besserung  eingetreten  ist,  so
hört  man  doch  außer  den  auch  in  den  übrigen  nordschleswigschen  Städten
üblichen  Bildungen,  wie:  Das  soll  ich  schon  tun  oder  Das  ist  ein
Wetter  und  gehen  aus  u.  dergl.,  noch  ganz  besondere  Redensarten
und  Redewendungen,  die  dem  niederdeutschen  sowohl  wie  dem  hochdeutschen
  Sprachgefühl  ins  Gesicht  schlagen;  einige  bezeichnende  mögen
hier  genannt  werden:

Ik  wil  gau  min  kint  umbringen  un  astreken.

Goh  mit  ihr  durch  und  bring  sie  dann  um.

Is  dat  en  stück  snack  un  kommen  mit.

Das  ist'n  schönes  Wetter  und  ölen  Dielen  ein.

Das  ist  ein  schöner  Schinken  und  schneiden  Scheiben  von  ab.

Komm  ein,  mein  Chute,  und  krieg  dich  was.

Bitte,  bleiben  Sie  sitzen;  es  gibt  noch  was  binten  auf.

Dora,  komm  nieder,  der  Herr  Physicus  ist  da.

Nein,  mein  Chute,  sagte  eine  Flensburgerin,  als  von  einem  Frühstück
des  Kaisers  in  Glücksburg  die  Rede  war,  man  Zollte  doch  meinen,  B0  ein
wür’  hoch  genug  Bu  und  Behen  Bu  und  kriegen  sich  was  Warmes.

IV.  Die  Stadt  Apenradc.#)
Die  Stadt  Apenrade  zeigt  in  den  verschiedenen  Namensformen,
in  denen  sie  in  den  Urkunden  auftritt,  ihre  nationale  Entwickelung

1)  P.  L.  Madsen:  Nachrichten  über  das  Volksschulwesen.  Fl.  1905.
2)  Die  urkundlichen  Nachrichten  aus  dem  16.  und  17.  Jahrhundert  sind
dem  Stadtarchiv  entnommen.
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