260  C.  Die  nationale  Entwickelung  der  Städte.

und  zugleich  den  Übergang  aus  einer  jütischen  Vergangenheit  in  eine
niederdeutsche  Zeit  an.

Neben  einem  Dorfe  Gamel  Opner  (1203),  Opnör  (1231),  wie
Tund-er,  Hoth-aer,  Dal-er  nach  altnord.  cyrr,  Strand“—  „am  offenen
Strande“,  woran  noch  der  Wald  Opner  (1445)  erinnert,  und  an  einer
Au  entstanden  und  daher  Obnroe  (1257),  Opneraa  (1335)  oder  wie
in  der  Umschrift  des  mittelalterlichen  Siegels  Openeraa  genannt,  bewahrt
  die  Stadt  mit  leiser  Umwandlung  in  das  Niederdeutsche,  Oppenraa
(1366,  1377),  Openraa  (1411,  1423),  Apenraa  (1400,  1463,  1490)
ihren  ursprünglich  jütischen  Namen  noch  ziemlich  unversehrt  das  ganze
Mittelalter  hindurch.  Erst  als  hier  das  Niederdeutsche  zur  völligen
Herrschaft  gelangt  war,  nimmt  sie  auch  in  ihrem  Namen  ein  völlig
niederdeutsches  Gewand  an.  Da  das  richtige  Verständnis  von  „Abneraa“
„an  der  Opnerau“  oder  niederdeutsch  „to  der  Opnerouwes“  völlig  verloren
  gegangen  war  und  man  im  Volksmunde  die  Form  Apenraa  als
Apen-  raa  auffaßte,  so  deutete  man  die  angebliche  Endung  —  raa  nach
Analogie  holsteinischer  Dorfnamen,  wie  Stenran  (—  Steinrade),  Gisselraa
(—  Gisselrade),  in  rade  d.  h.  Rodung  um.  So  weie  ich  sehe,  tritt
diese  völlig  niederdeutsche  Namensform  Apenrade  oder  Oppenrade  erst
mit  Beginn  des  16.  Jahrhunderts  auf  (1510,  1514,  1536),  um  dann
nach  und  nach  gebräuchlicher  zu  werden.  In  niederdeutschen  Urkunden,
die  im  15.  Jahrhundert  noch  durchweg  Apenraa  oder  Apenra  schreiben,
verschwindet  diese  Form  bald  völlig,  doch  schreibt  Heinrich  Ranzau  1597
noch  Apenroa  oder  Aapenroa,  und  der  spätere  Bürgermeister  Esmarch
1607  tho  Apenra;  im  Dänischen  erhält  sich  dagegen  lange  nebenher
das  noch  ältere,  wenn  auch  bereits  etwas  umgedeutete  Abenraa.  Bezeichnend
  dafür  ist,  daß  der  Rat  im  Jahre  1611  und  1612,  als  er
sich  mit  Aufrufen  nach  Dänemark,  Holland  und  Deutschland  wandte
und  um  Hilfe  in  seiner  Not  nach  dem  Brande  der  Stadt  bat,  in  der
dänischen  Urkunde  von  Aabenraa,  in  der  nieder=  und  hochdeutschen
dagegen  von  Apenrade  spricht.  Seit  der  darauf  bald  beginnenden
hochdeutschen  Sprachperiode  kommt  in  offiziellen  Aktenstücken  der  jütische
Name  kaum  mehr  vor.  Wenn  denische  Schriftsteller  und  Gelehrte
dagegen  wie  z.  B.  Hoitfeldt,  Suhm,  Langebek  begreiflicherweise  der
alten  Schreibweise  folgten,  so  hat  dies  für  die  amtliche  Schreibung
des  Namens  keine  Bedeutung.