IV.  Die  Stadt  Apenrade.  261

Für  die  Kennzeichnung  der  älteren  jütischen  Periode  der  Stadt
ist  das  ihr  von  Herzog  Waldemar  am  1.  Mai  1335  verliehene  lateinische
Recht  maßgebend;  es  ist  ihr  eigentümlich  und  nicht  wie  bei  Flensburg
und  Hadersleben  direkt  oder  indirekt  von  dem  Schleswiger  entlehnt.
Die  Art,  wie  in  diesem,  mitten  in  dem  lateinischen  Texte,  auch  heimische
Worte  auftreten,  läßt  einen  ziemlich  sicheren  Rückschluß  auf  die  damals
herrschende  Volkssprache  zu.  Die  ganze  Umgebung  der  Stadt  Opneraa
tritt  uns  darin  mit  ihren  jütischen  Ortsnamen  entgegen;  die  Bürger
haben  fegang  in  OÖsterskugh  (schau);  sie  kennen  Kungslund,  Gunnythwet,
  Kolsthorp,  Stubeik)by  ),  Astorp,  Haesel,  Loytae,  Brunnæmark
und  gewisse  Ländereien  in  gamel  Opener  und  Kolstorp  als  kungsköp;
auch  skarfrif  und  die  benachbarte  haereth  ist  ihnen  bekannt,  nicht  weniger
stenbro  bei  Kolstorp  und  der  Bach  northen  by.  Die  Satzung  ihres
Stadtrechts  nennen  sie  skraa,  sie  haben  noch  kein  wicbilde,  sondern
byfrith,  zahlen  wie  in  Schleswig  und  den  anderen  mit  jütischem  Lov
begabten  Städten  arnægiald  und  torghortich  (Marktschoß),  myntpeningh
(denarül),  bool  mutae  (Haussteuer),  für  huskrith  entrichten  sie  boos
loot;  dem  jütischen  Lov  gemäß  haben  sie  nekninge  und  veridici  (Sandmänner)
  und  Strafbestimmungen  für  mandöth,  waldtect,  afhög;  der
Ausdruck  hws  und  heem  ist  ihnen  nicht  unbekannt,  ebenso  wie  hemsöken
  (Haussuchung),  und  wenn  jemand  arretiert  war,  so  nannten  sie
das  besæt  sein.  Es  gab  auch  bei  ihnen  eine  Knutsgilde  wie  in  den
übrigen  Städten,  ein  hygest  lagh,  ein  schon  bei  Schleswig  besprochenes
hwirdwing,  haclect  und  haelegbrot,  laghdagh  und  mascap.  Es  treten
krembere  (Krämer)  bei  ihnen  auf  und  skipher,  die  skips  borth  kennen;
beiut  Handel  gibt  es  dwk  (ad  velum,  Segeltuch),  bunkae  (Pakete),
griscus  Dannus,  gewöhnlich  wathmel  genannt,  korsbunden  packe,
borellum  (siehe  unten),  pund  humæl  (Hopfen),  thrymit  (Drömt),
forköp,  lest  (Last),  und  außerdem  hören  wir  von  fortæ  und  faclith,
von  stenbro,  von  solmerky  und  lernen  auch  die  eigentümliche  Bedeutung
von  isteth  (Steigbügel)  bei  Ablegung  des  Eides  kennen.

Auffallend  ist  es  angesichts  dieser  Sprache,  daß  in  Apenrade  im
Gegensatz  zu  Fleusburg  und  Hadersleben  keine  jütisch-dänische  Übersetzung
  des  lateinischen  Textes  des  Stadtrechtes  veranstaltet  ist;  der

1)  Die  lat.  Handschrift  Stubeby,  die  niederd.  Ubersetzung  Stubbeky;  das
richtige  ist  Stube(k)by,  wie  der  Dorfname  Stubbek  beweist.  Siehe  S.  74.