264  C.  Die  nationale  Entwickelung  der  Städte.

Zur  Kennzeichnung  der  Sprache  des  15.  Jahrhunderts,  die  auch
damals  für  die  Apenrader  Bürgerschaft  sowohl  bei  ihren  Verhandlungen
auf  dem  Stadttinge  als  in  allen  anderen  amtlichen  öffentlichen  Angelegenheiten
  allein  maßgebend  war,  mögen  einige  Paragraphen  des
Stadtrechts  dienen,  die  zugleich  inhaltlich  noch  ein  gewisses  Interesse
haben.

17:  scholen  wy  nach  older  wonheid  achte  santman  hebben  mit
uns  in  der  stad  wonende,  de  dar  hebben  huse  und  egenc,  dede  scheden
scholen  uppe  dodslacht,  notagend  unde  affhouwend,  de  en  scholen  nicht
werden  up  geworppen  sunder  nach  deme  looboke.

18:  nevenynghe  scholen  wy  mit  uns  hebben,  de  hues  unde  egene
hebben;  de  rad  schal  se  kesen  alle  jar  tomme  negesten  dinghe  na  der  hilgen
  dryer  koninghe  daghe,  unde  de  vaghed  zwereth  se  tho.  Desse  scholen
scheden  umme  husvrede,  hussokinge  unde  deverie,  sülk  to  beradende  mit
den  eldesten  unde  wisesten;  unde  men  schal  se  achto  daghe  tovören  to
eschen,  dat  se  scheden,  dat  recht  is;  unde  werden  se  up  gedrewen,  so  betalen
  so  vor  husvrede  ere  howed  loth,  vor  hussckend  dre  mark  unde  vor
deverie  likerwys  dre  mark  pennioghe  deme  vagede  des  konynges.

8  23:  nummend  werde  hür  nomen  an  enen  borger,  Sunder  he  hobbe
opene  breve  Syner  henle  edder  guder  warafftigher  lude  tuchnisse  syner  lovelüken
  guden  handlinghe  unde  ummeganges;  de  dar  nomen  is  an  eynen  borger,
  wor  he  here  komen  sy,  de  befft  vullekomene  macht  to  kopende  gudere,
land  unde  huse  bynnen  unser  vriheid  unde  de  wedder  to  vorkopende  sunder
  vrage  syner  vrund,  eneme  iewelken,  de  id  kopen  wil.

8  36:  ...  is  id  dat  ein  hus  anghesticked  werd,  dat  sük  de  vlamme
strecked  uppe  dat  dack  unde  de  stormklocke  werd  gelüt  mit  deme  rope  des
volkes,  is  he  borger,  he  gheve  deme  vaghede  dre  mark  unde  demo  rade  s0
vele,  unde  is  he  gast  unde  hefft  nen  hus  undo  tofft,  de  betere  so  vele  alse
deme  vaghet  rechtverdich  duncket.

Über  die  dauernde  Geltung  dieses  Rechtes  kann  meines  Erachtens
kein  Zweifel  sein,  auch  wenn  später  ein  anderes  auftritt,  das  sich  als
eine  Bearbeitung  des  Flensburger  Rechts  darstellt.  1)  Für  unsere  Untersuchung
  kommt  es  aber  nur  auf  die  Feststellung  an,  daß  der  Ratmann
und  spätere  Bürgermeister  Clawes  Esmarch  (f  1610)  dieses  neue  niederdeutsche
  Recht  mit  egener  handt  anno  1607  geschrieben  hat;  am

1)  Diese  Bearbeitung  muß  wegen  des  Gebrauchs  des  Namens  Apenrade
nach  1500  sallen;  der  Verfasser  hat  die  niederdeutsche  Ubersetzung  des  Fleusburger
  Rechts  benutzt,  aber  jedenfalls  eine  andere  als  die  jetzt  vorliegende  Handschrift.
  In  §  3  übersetzt  er  richtig  speedt,  und  ebenso  bietet  er  §  122  exen  mit
deme  stelle  (besser  stele),  statt  des  älteren  helüe.  Siehe  S.  240.