IV.  Die  Stadt  Apenrade.  265

Schluß  jügt  er  noch  einen  die  Gerichtsbarkeit  der  Bürger  betreffenden
Artikel  hinzu,  der  auf  einer  Begabung  Christians  I.  v.  J.  1514  beruht.
  Auch  wenn  sonst  keine  Zeugnisse  vorlägen,  würde  man  aus  diesen
Tatsachen  schließen  dürfen,  daß  von  der  Mitte  des  15.  Jahrhunderts
bis  über  1600  hinaus  niederdeutsche  Amtssprache  in  Apenrade  geherrscht
  hat.  Leider  sind  fast  alle  mittelalterlichen  städtischen  Urkunden
durch  den  Überfall  der  Stadt  im  Jahre  1523  1)  und  die  des  16.  Jahrhunderts
  meist  durch  den  Brand  der  Stadt  i.  J.  1610  zugrunde  gegangen.
  Unter  den  geringen  Resten  ist  eine  abschriftlich  erhaltene
niederdeutsche  Urkunde  vom  Jahre  1572  (am  daghe  Andrae  apostoli)
zu  erwähnen,  worin  der  Rat  dem  Stadtschreiber  Geffke  Truxen  ein
Grundstück  up  dem  karckbarg  als  Baustelle  verleiht.  Wie  sehr  sich
der  Apenrader  Rat  schon  an  die  niederdeutsche  eigenartige  Kanzleisprache
jener  Zeit  gewöhnt  hatte,  mag  der  Eingang  der  Urkunde  zeigen:
Wy  borgemeister,  rathmanne  und  stadtvaget  und  sonst  gemenen  borgeron
  tho  Apenrade  bekenne  hiermit  vor  uns  und  unsern  erwen  und  nakömlingen
  ock  sonst  vor  allweme  und  einen  jderen,  de  dessen  unsern  apenen
vorsegelden  breeff  sehen  edder  horen  losen,  wes  standes  oder  (edder)  condition
  desulwen  mögen  syn,  dat  nach  deme  und  dewyle  de  ersame  und  beschedene
  Geffke  Trüxen,  unsere  mitbörger  und  stadtschriewer,  uns,  unsern
vorfahren  und  den  gemeenen  börgeren  hen  in  de  XXVIII  jahren  vor  dato
desses  brewes  vor  einen  stadtschriewer  getrulicken  gedeenet  und  wes  ehme
von  eine  ersame  börgemeister  und  rath  sambt  den  gemeonen  börgeren  vor
und  na  schriewens  halben,  woranne  den  ein  ehrsame  börgemeister  und  rath
sambt  den  gemeenen  borgeren  samptlichen  augelegen  gewesen,  ys  up  erlecht
  und  bevablen  worden,  so  offt  und  vacken  yt  de  noth  gefoddert  hefft,
he  wente  anhero  gehorsamlicken,  getrulicken,  flytigen  utbgerichtet  und
vollenbracht  und  vor  solcken  synen  getruwen  denste  und  arbeit,  wo  wente

1)  Über  den  Einfall  der  Soldaten  des  Herzogs  Friedrich  um  Ostern  1523
vergleiche  weiter  unten  den  Bericht  Esmarchs.  Mehr  als  irgend  eine  andere
Stadt  im  Herzogtum  hat  Apenrade  in  älteren  Zeiten  durch  Feuersbrünste  gelitten;
  der  Grund  waren  die  strohbedachten  Häuser,  deren  Beseitigung  durch  Verfügungen
  v.  J.  1610.  1618.  1637.  1649  und  zuletzt  noch  vom  11.  Febr.  1681
(Corp.  Stat.  Sl.  II.  435)  vergeblich  erstrebt  ward.  Cl.  Möller  weiß  freilich  einen
anderen  Grund:  er  bemerkt  1620:  mehrere  Brände  seien  am  Sonnabend  und
Sonntag  eingetreten:  de  ohrsacke  iss  velicht,  de  wyle  wy  unss  jegen  den  Sondag
  unde  Sabbath  dess  herrn  nicht  recht  bereyrden  und  den  Sondag  nicht
recht  hylligen,  alse  it  sick  wol  geböhret,  sondern  mit  unmenschlichen
schwelgen  unde  supen  meistentheils  tho  Apenrade  unser  lewent  thobringen.