266  C.  Die  nationale  Entwickelung  der  Städte.

her  geschehen,  van  ein  ehrsam  börgemeister  und  rath  der  gemeene  tho
Apenrade  keen  jahrlohn  gehadt  edder  ock  kene  betalinge  nicht  gekregen:
deme  na  hbefft  he  gedachte  Geffte  Truxen,  unse  stadtschriewer.,  in  kort  verrückeder
  tydt.  ungefebrlichen  vor  XII  jaren,  domalen  ein  ersamen  borgemeister
  und  rath,  de  itzunder  noch  meist  part  im  lewende  syn,  dorch  den
achtbahren  und  vornehmen  Schwarte  Hanben,  up  Sünt  Jurgens  hoff  vor
Apenrade  wanbastig.  in  der  karcken  tho  Apenrade.  dar  se  denne  by  einander
  gewesen,  fründlich  und  deenstlick  bidden  und  begröten  laten,  dergestaldt
  und  alß  dat  se  ehme  so  gunstig  wolden  syn  angeschen  synes  truwen
deenstes,  so  he  etliche  jahr  by  ehnen  in  vorgemelten  sacken  ertöget  und
bewiset  hadde,  dar  be  neen  lohn  vor  kregen,  ehme  und  synen  erwen  derentbalwen
  ein  stück  erde  up  unse  karckbarch.  wor  Fdt  uns  gelewede,  tho
einer  buwstede  gunstig  verhelpen  möchten,  vor  temliche  und  billige  jahrliche
erdthur  syne  erwen  na  synen  starffliken  affgange  der  stadt  Apenrade  tho
einer  bekentnisse  jarlichs  darvron  tho  gewende  sick  erbaden,  up  dat  syne
erwen  Da  synem  dode  nicht  hußloss  syn  mochten:  so  hefft  ein  ehrsame
borgemeister  und  rath  etc.

Der  Mangel  an  urkundlicher  Überlieferung  macht  sich  besonders
in  bezug  auf  mittelalterliche  Bürgerverzeichnisse,  auf  Straßennamen,
Gilden  u.  a.  geltend.  Von  dem  in  der  obigen  Urkunde  genannten
Schwarte  Hanßen  hören  wir  auch  in  einer  Inschrift  in  der  Kirche:
MDXV  leth  Swarte  Hans,  karckswar,  dussen  praedick  stoel  hirher
setten.  Erwähnt  werden  1441  Peter  Smit,  1479  Henrik  Scroder,
149  Peter  Knappes  und  seine  Frau  Nechtelt  und  eine  Reihe  audere,
  wie  Knackenhower,  Orerscherer,  Repsleger  u.  a.,  die  auf  einen,
auch  sonst  wahrscheinlichen,  ansehnlichen  Bestandteil  niederdeutscher  Handwerker
  in  der  Bürgerschaft  hindeuten.  Auch  das  „guet  bier,  so
kukelhaen“  genannt  ward  und  nach  Cl.  Möller  selbst  das  Wismarsche
an  Güte  übertraf,  weist  mit  seinem  allgemein  verbreiteten  Biernamen
(Guckelhahn)  auf  Gewerbtreibende  niederdeutschen  Stammes  hin.  Obige
Urkunde  zeigt  auch  durch  die  Benennung  Karckharg,  daß  die  Straßennamen
  um  diese  Zeit  in  amtlichen  niederdeutschen  Urkunden  bereits
ein  niederdeutsches  Gewand  angenommen  haben;  wie  das  niederdeutsche
  Recht  skibbro  mit  schipbrygghe  übersetzt,  so  tritt  in  späteren
Urkunden  eine  Westerstrat  (1620),  Suderbrügge,  statt  Slotgade  eine
Borchstrat  (1539)  oder  Slotstrat  auf  und  die  Pottergade  verwandelt
sich  in  Potkerstrat  oder  Potmakerstrat.  In  dem  hochdeutschen  Teil
des  Möllerschen  Berichts  treten  Fischerstraße,  Osterstraße,  Westerstraße,
Süderstraße  neben  Suderbrugke  u.  a.  schon  hochdeutsch  auf.  Der