IV.  Die  Stadt  Apenrade.  267

Klinckenberg  oder  Klingenberg  (Quellenberg)  ist  eine  echt  niederdeutsche
Benennung,  die  sich,  wie  wir  gesehen,  in  anderen  Städten  wiederholt.

Von  der  „Rambßhaerde“  berichtet  Möller,  sie  sei  eine  Vorstadt
gewesen  und  vor  1½  hundert  Jahren  erst  zu  bauen  angefangen;  „und
ist  derselbige  ohrt  für  dieser  Zeit  mit  Busch  und  Ellernholz  bewachsen
gewesen,  daß  sich  och  offt  böse  Buben  und  Diebe  unter  den  Tywkier
Bach  uffenthalten,  und  offt  den  Reysenden  großen  schaden  zugefüget:
daher  die  Apenrader  seind  verursacht  worden,  daß  gerichte  nicht  ferne
darvon,  nemblichen  dar  itzt  der  Ziegelhof  gelegen,  solchen  bösen  Buben
zum  abschew  zu  vorordnen,  welches  auch  eine  lange  Zeit  dargestanden;
aber  von  dar  Süden  der  Stad  gelegt  worden.“  Unsere  oben  S.  242
gegebene  Deutung  des  Namens  steht  damit  nicht  in  Widerspruch,  wenn
das  Verständnis  auch  aus  dem  Volksbewußtsein  schon  damals  entschwunden
  war.  Von  einem  Roland  auf  dem  kaak  des  Marktplatzes,
der  in  allen  anderen  Städten  nachzuweisen  ist,  hören  wir  in  Apenrade
  urkundlich  nichts;  indes  ist  an  seiner  früheren  Existenz  nicht  im
geringsten  zu  zweifeln;  er  ist  sicher  in  einem  der  großen  Brände  der
Stadt  zugrunde  gegangen  und  später  nicht  wiederhergestellt.

Etwas  klarer  treten  uns  erst  im  Anfang  des  17.  Jahrhunderts
die  Sprachverhältnisse  entgegen.  Wir  sehen,  wie  Ratmann,  Bürgermeister,
  Gericht  und  die  Kirche  als  Amtssprache  nur  noch  das  Niederdeutsche
  kennen;  man  darf  daraus  schließen,  daß  dessen  Kenntnis  und
Übung  in  der  Bürgerschaft  allgemein  verbreitet  gewesen  ist,  daß  es
als  Sprache  der  höheren  Bildung  der  eigentlichen  jütischen  Volkssprache
  gegenüberstand.  Von  Interesse  ist  zunächst,  wie  der  bereits
erwähnte  Ratmann  und  späterer  Bürgermeister  Clawes  Esmarch  im
Jahre  1607  die  Abschrift  des  neueren  Stadtrechts  einleitet.  Er  spricht
noch  von  Apenra  und  erzählt,  wie  das  Kriegsvolk  Herzog  Friedrichs
gleich  nach  Ostern  des  Jahres  1523  die  Stadt  verwüstet  habe:

Do  worden  die  stadt  boke,  register  und  allent,  dar  se  sick  na  richten
scholden,  thoreten,  thobraken  und  vorkamen.  Etlike  tidt  darna  hefft  sick
dat  volck  wedder  vorsammelt  und  hebben  sick  getröstet  erer  stadt  recht

und  privilegien,  de  en  van  herron  und  fürsten  genedigliken  gegewen  und
gegonnet  is.)

1)  Claus  Möller  (Provinzialbl.  1790  S.  514  ff.)  gibt  einc  ganz  ähuliche
Schilderung  in  niederdeutscher  Sprache.