268  C.  Die  natlonale  Entwickelung  der  Städte.

Kurz  nachdem  Esmarch  dieses  geschrieben,  traf  die  Stadt  ein
noch  größeres  Unglück;  denn  acht  Tage  vor  Pfingsten  1610  (19.  Mai)
vernichtete  ein  Brand  von  2  1½⅛  Stunden  Dauer  einen  großen  Teil
der  Stadt  mit  Kirche,  Rathaus,  Predigerwohnungen  und  Schulen.
Infolge  dieses  Ereignisses  erwuchs  eine  ziemliche  Anzahl  von  Aktenstücken
  und  Urkunden,  die,  gerade  in  die  Zeit  des  Sprachwechsels
fallend,  nach  verschiedenen  Richtungen  über  die  amtliche  Sprache
des  Rates  und  der  Bürgerschaft  ein  Licht  verbreiten.  Man  sandte
noch  im  selben  Jahre  des  Brandes  Boten  aus,  zunächst  in  die  benachbarten
  Landschaften  der  Herzogtümer,  um  milde  Gaben  einzusammeln,
  im  folgenden  nach  Dänemark,  Hamburg,  Lübeck,  und  dann
wandte  man  sich  mit  besonderen  Aufrufen  nach  Deutschland,  Dänemark
und  selbst  nach  den  Niederlanden.  Die  Boten  legten  nach  ihrer  Heimkehr
  in  eigenen  Schriftstücken  Rechnung  über  ihre  Einnahmen  ab,  und
mit  geringen  Ausnahmen  sind  alle  Ablagen  aus  den  Jahren  1610
bis  1612  in  niederdeutscher  Sprache  abgefaßt;  dänische  Eintragungen
kommen  auch  bei  den  Sammlungen  im  Königreich  nur  vereinzelt  vor;
die  Gabe  der  Königin  Witwe  mit  70  sÆ  Lübsch  am  11.  März  1611
steht  sogar  auf  Hochdeutsch  verzeichnet.  Nur  ein  einziges  Register  über
die  Ausgaben  und  Reisekosten,  die  zwei  Sendboten  in  Holstein,  Lübeck.,
Hamburg  und  Schleswig  gehabt  haben,  ist  auf  Dänisch  verfaßt.  In
niederdeutscher  Sprache  legt  dann  auch  der  Rat  über  die  gesammelten
Gelder  vor  der  Gemeinde  Rechenschaft  ab:

Hüden  dato  den  25.  Aprilis  disses  1611  jahres  hebben  borgermeister
und  rhatt  ein  richtich  rekenschop  gedhan  vor  de  veer  menner  und  sünst
achte  börgers  van  der  gemene,  alse  wehren  Peter  Röe,  Peter  Jaspersen,
Christen  Lorentzen,  Palm  Jörgensen,  Nis  Knudtzen,  Matthias  Petersen,
Iwer  Jacobsen  und  Jörgen  Taysen  wegen  dem  gelde,  so  disser  stadt  Apenrado
  tho  ehrem  erledone  brandtschaden  uth  den  landen  und  steden  vorehret
worden,  so  sick  mhist  de  veerbundert  Mark,  wilcher  ()  de  stadt  Fleosborch
uns  sülwest  gebracht  und  uthgedeclet,  und  mit  deme,  so  der  kercken  gegewen
  2793  mark  6  #  lüb.  sick  belopen  deit,  und  is  solche  geldt  na  folgender
gostalt  upgenahmen  und  uthgedelet  worden  etc.

Von  besonderem  Interesse  sind  die  Aufrufe,  die  der  Rat  erließ
und  den  Sendboten  mitgab;  die  besiegelten  Urkunden  sind  noch  heute
vorhanden,  zwei  gleichlautende  in  dänischer  Sprache  vom  14.  Febr.
und  22.  Febr.  1611  an  Dänemark,  eine  hochdeutsche  an  das  Deutsche