IV.  Die  Stadt  Apenrade.  271

Leute  Höffen,  Kollhöffe  und  anderen  Lucken  bey  der  Stadt“  und  gestattet
  einem  jedem  sie  „todt  zuschlagen  undt  zu  hauwen“".  Bemerkt  wird
daun  auf  der  Urkunde,  daß  diese  Dingswinde  1636,  1637,  1641,
1653  und  1654  auf  dem  „Apenrader  Allemans  Stadtdinge“  abgelesen
  worden  sei.  So  hatte  denn  auf  dem  Stadttinge,  der  erst  am
19.  Februar  1664  aufsgehoben  ward,  das  Niederdeutsche  dem  Hochdeutschen,
  wenigstens  seit  dem  Jahre  1622,  Platz  gemacht.

Soweit  es  sich  noch  heute  urkundlich  feststellen  läßt,  hat  die  niederdeutsche
  Sprache  in  der  Kirche  und  auch  in  der  eng  damit  zusammenhängenden
  Schule,  als  deren  Vertreter  gewissermaßen  der  Küster  Claus
Möller  1620  seine  niederdeutsche  Chronik  der  Stadt  schrieb,  sich  länger
behauptet  als  in  den  städtischen  weltlichen  Kanzleien.  Es  ist  ein  Stuhlregister
  erhalten,  hochdeutsch  mit  niederdeutschen  Bemerkungen,  von
1622  —  1648;  aber  in  dem  ältest  erhaltenen  Kirchenbuch  von  1642
bis  1672  findet  sich  die  niederdeutsche  Sprache  bei  den  Eintragungen
des  Sterbe=  und  Taufregisters  als  Regel.  Daneben  kommen  jedoch
auch  hin  und  wieder  (z.  B.  unter  dem  6.  Dezember  1667)  ganz  hochdeutsche
  Mitteilungen  über  auswärtige  Ereignisse  vor  1).  Folgende
Stellen  mögen  ein  Bild  von  der  von  dem  Hochdeutschen  bereits  ziemlich
  stark  beeinflußten  Sprache  geben:

1643,  27.  Mart.  is  ein  sehr  groter  storm  und  waterfloth  uth  dem  nordosten
  gewesen  und  ein  solcher  groter  svee  plötzlich  und  unvermothlich  gefallen,
  als  kein  minsch  hefft  deuken  können;  de  wege  seint  alse  belecht,
dat  kein  minsch  hefft  reisen  noch  der  eine  nabo  tho  dem  andern  kommen
können.  Disse  storm  und  Suee  duerde  in  III  dagen,  und  glik  als  solch
ungewedder  plötzlich  entstanden,  als  seint  de  Schwedischen  herna  im  monate
Dec.  plötzlich  und  unvermotblich  ins  land  gefallen.

657,  21.  Aug.  ist  der  könig  von  Schweden  tho  Apenrade  augelanget
ungefähr  mit  1000  rütern,  tho  welcher  tidt  de  gade  borger  eine  schwere
inquarterung  gebat,  etzliche  12,  etzliche  20,  etzliche  24  perde,  insonderbeit
hefft  Christen  Jacob  Jessens  sohn  by  der  kerken  öwer  de  10  perde  gehat.
Folgenden  dages  is  J.  K.  M  in  Schweden  fortgereist  na  Hadersleben.  Gott
helpe  und  tröste  de  armen  lüde,  dar  de  schwedische  armee  henkommen

1)  J.  Generani  et  G.  Hübschmanni  annales  rerum  Apenradac  et  in
vicinia  gestarum  ecclesiastici  Cod.  MS.  S.  II.  317.  K.  Universitätsbibliothek;
enthalten  in  ihrem  letzten  Teil  Auszüge  aus  dem  oben  genaunien  Kirchenbuch.
Die  weiterhin  mitgeteilten  Textproben  verdanke  ich  Herrn  Pastor  Grönning;  sie
stimmen  nicht  ganz  mit  der  ungenauen  Abschrift  in  den  oben  erwähnten  Annalen.