272  C.  Tie  nationale  Enrwickelung  der  Stödte.

wird,  denn  by  disse  armee  sind  Polacken,  Tartaren  und  allerlei  losgesindel,
also  das  der  IIIdel  durselbigen  armee  man  brave  kerls  sind,  aber  der  Udel
sind  verwegene  muskoppen  (7),  röwers,  frische,  starke  jungen,  losgesindel,
WFfeen  (?)  und  secht  man,  dat  byF  der  armee  scholen  sin  in  de  7000  wagen;
eine  grote  erschreckl.  troh,  welcher  den  Dänen  ein  schrecken  injagen  schal.
Gott  erbarme  sick  unser  und  gewe  uns  wedderumb  den  edlen  freden.  Amen.

Alle  diese  Aufzeichnungen  sind  auf  den  Pastor  und  Propsten
Georg  Hübschmann  (1631—  1672)  zurückzuführen;  die  Wahrscheinlichkeit
  spricht  dafür,  daß  er  den  größten  Teil  seiner  Amtszeit,  wenigstens
bis  zur  Einführung  des  Kirchenbuchs  von  Olearius  v.  J.  1665,  niederdeutsch
  gepredigt  hat.

Die  Entwickelung  der  Sprachverhältnisse  in  Apenrade  hat  nach
Einführung  der  hochdeutschen  Amtssprache  einen  ähnlichen  Gang  genommen
  wie  in  Hadersleben.  Indem  sie  den  Platz  des  Niederdeutschen
in  der  städtischen  Verwaltung,  in  Gericht  und  zuletzt  auch  in  Kirche
und  Schule  einnahm,  drängte  sie  dieses  aus  seiner  bisherigen  einflußreichen
  Stellung  auf  die  Stufe  einer  bloßen  Mundart  zurück,  die  der
jütischen  Volkssprache  nicht  mehr  so,  wie  früher,  überlegen  war.  Da  das
Niederdeutsche  trotz  seiner  langen  Herrschaft  als  Amtssprache,  nach
allem  zu  rechnen,  hier  nicht  in  gleichem  Maße  wie  in  Flensburg,  wegen
der  ganzen  jütischen  Umgebung,  in  der  Bevölkerung  feste  Wurzel  gefaßt
hatte,  so  war  vorauszusehen,  daß  es,  ohne  die  Unterstützung  der  Amtssprache,
  nach  und  nach  von  dem  Jütischen,  das  aus  der  ländlichen  Nachbarschaft
  immer  neue  Kräfte  zog,  aufgesogen  werden  würde.  Nach
den  urkundlichen  Berichten  ist  dieser  sprachliche  Prozeß  während  der
Herrschaft  der  hochdeutschen  Amtssprache  denn  auch  zuungunsten  des
Niederdeutschen  im  Laufe  des  18.  Jahrhunderts  erfolgt  und  hat  erst
mit  dem  Beginn  des  folgenden  seinen  Abschluß  gefunden.  Im  folgenden
werden  wir  die  verschiedensten  Stimmen  über  die  Sprachverhältnisse
der  Stadt  hören;  man  versteht  sie  aber  erst  dann  recht,  wenn  man
festhält,  daß  zunächst  noch  neben  der  hochdeutschen  und  dänischen  Literatursprache
  die  beiden  Mundarten  des  Jütischen  und  des  Niederdeutschen
stehen,  daß  mit  den  Ausdrücken  „deutsch“  und  „dänisch“  meist  beide
zusammengefaßt  und  nur  selten  die  Mundarten  als  die  eigentlichen  Volkssprachen
  von  den  Literatursprachen  unterschieden  werden.

Nach  einem  Bericht  des  Amtmanns  v.  Massow  vom  15.  August
1739  waren  die  allermeisten  Parochiani  der  Apenrader  Stadtkirche