IV.  Die  Stadt  Apenrade.  273

„der  teutschen  Sprache  sattsam  kundig;  den  wenigen  anderen  zum  Besten
werde  in  der  Frühpredigt  dänisch  gepredigt“".  Nach  dem  Propsten
Schmidt  ist  dagegen  „der  größte  Haufe  der  teutschen  (d.  h.  der  hochdeutschen)
  Sprache  nicht  völlig  kundig“;  die  Hauptpredigt  sei  „teutsch“,
in  der  „teutschen  Sprache  werde  publicc  katechisiert,  auch  die  Jugend
in  den  Schulen  unterwiesen;  um  derer  willen,  die  der  teutschen  Sprache
unkundig  seien,  würden  an  jedem  Sonntage  dänische  Frühpredigten
gehalten;  die  Information  der  Konfirmanden  wie  auch  die  Konfirmation
selbst  geschehe  in  eben  der  Sprache,  die  die  Katechumenen  verständen“.
Der  Propst  bemerkt  dabel  nicht,  was  wir  aus  einem  Bericht  des  Generalsuperintendenten
  Konradi  vom  22.  Februar  1741  erfahren,  daß
auch  in  Apenrade,  wie  vielfach  auch  anderswo,  bei  der  dänischen  Frühpredigt
  nur  hochdeutsche  Lieder  gesungen  wurden.  Die  in  den  beiden
Berichten  hervortretenden  Widersprüche  finden  eine  genügende  Erklärung
  in  den  schon  oben  S.  129  berührten  Bemerkungen  des  über
die  sprachlichen  Verhältnisse  damaliger  Zeit  am  besten  unterrichteten
Bürgermeisters  Hansen  in  Sonderburg;  nach  ihm  gehört  im  Jahre
1758  und  1770  Apenrade  noch  zu  den  nordschleswigschen  Städten,
wo  „plattdeutsch  und  dänisch“  d.  h.  jütisch  gesprochen  werde;  die
„dänische“  Predigt  werde  hier  wie  in  allen  nordschleswigschen  Städten
um  der  vielen  Dänen  willen  gehalten,  die  sich  vornehmlich  unter  den
Dienstboten  befänden  und  selbstverständlich  nichts  als  die  jütische  Mundart
  verstanden.  Die  niederdeutsche  Sprache  war  demnach  um  diese
Zeit  noch  nicht  aus  Apenrade  verschwunden  und  von  der  juütischen
Mundart  aufgesogen,  wenn  auch  diese  bei  weitem  das  Übergewicht
hatte.  Zehn  Jahre  später  hören  wir,  daß  die  deutschen  Handwerker,
die  hauptsächlich  die  Träger  des  Niederdeutschen  waren,  immer  mehr
abnehmen  und  statt  deren  aus  Dänemark,  insbesondere  aus  Randers
und  Odense  z.  B.  Handschuhmacher,  neue  Zuzügler  kämen,  die  dem  Dänentum
  fäörderlich  seien.

Einen  merkwürdig  verschiedenen  Charakter  tragen  gegen  Ende  des
Jahrhunderts  die  Namen  der  Straßen,  je  nachdem  man  eine  deutsche
oder  eine  dänische  Quelle  zu  Rate  zieht.  In  den  offiziellen  Angaben
treten  sie  fast  nur  in  hochdeutscher  Gestalt  auf  und  scheinen  aus  dem
Niederdeutschen  übernommen  zu  sein;  da  kennt  man  keine  pgade,
höchstens  eine  Gasse,  fast  allein  -  Stralte;  in  dänischen  Berichten  er-Sach,

  Das  Herzogtum  Schleswig.  III.  18