274  C.  Die  nationale  Entwickelung  der  Städte.

scheinen  dagegen  nur  -gade,  und  selbst  der  rein  niederdeutsche  Name
Klingenberg  ist  in  Klingbierg  umgewandelt.  Wer  darauf  besonderes
Gewicht  legt  und  die  Reihe  der  Benennungen  übersieht:  Skibbrogade,
Fiskergade,  Slotgade,  Gildegade,  Storegade,  Söndregade,  Vestregade,
Pottergade,  Jomfrugangen,  Wollesgyde,  Pudsgade,  Nygade,  Möllegade,
  Persiliegade,  Kielegaardsforthe,  Langewad  u.  a.,  der  hat  in
der  Tat  eine  rein  jütische  Stadt  vor  sich.  Soweit  ich  sehe,  wird  in
den  späteren  amtlichen  Außerungen  des  folgenden  Jahrhunderts  nirgend
mehr  ausdrücklich  auf  einen  niederdeutsch  redenden  Bestandteil  der  Bevölkerung
  hingewiesen;  wenn  darin  die  Sprache  der  Gebildeten  deutsch
genannt  wird,  so  kann  darunter  nur  hochdeutsch  verstanden  werden.

Die  über  die  Sprachverhältnisse  der  Stadt  und  die  Kirchen=  und
Schulsprache  aus  dem  Anfange  des  19.  Jahrhunderts  stammenden  Berichte
  sind  für  die  Anschauungen  jener  Zeit  höchst  bezeichnend;  sie  gingen
aus  jener  allgemeinen  loyalen  Stimmung  hervor,  die  dem  Willen  des
Königs,  wie  er  sich  in  dem  Sprachreskript  vom  15.  Dezember  1810  kundgab,
  möglichst  entgegenzukommen  suchte.  Hören  wir  zunächst  die  Kirchenvisitatoren,
  den  Propst  und  den  Amtmann.  Nachdem  sie  den  deutschen
Gesang  bei  der  dänischen  Frühpredigt  als  eine  allen  Nutzen  der  Predigt
und  der  übrigen  Unterweisung  aufhebende  oder  doch  schwächende  Anomalie
  bezcichnct,  die  durch  Anschaffung  der  neuesten  Auflage  des  Pontoppidanschen
  Gesangbuchs  billig  gehoben  werden  müßte,  bemerken  sie,
die  Volkssprache  in  Apenrade  sei  unbedingt  die  dänische  (d.  h.  jütische
Mundart);  es  möge  keinen  Eingepfarrten  geben,  der  nicht  eine  dänische
Predigt  vollkommen  verstände;  auch  die  Kirchenbedienten  seien  der
dänischen  Sprache  hinreichend  gewachsen;  da  gerade  die  Hauptpredigerstelle
  vakant  sei  und  bei  ihrer  Besetzung  auf  einen  Mann  Rücksicht
genommen  werden  könne,  der  dieser  Sprache  mächtig  sei,  so  leuchte
die  Notwendigkeit  des  teutschen  Gottesdienstes  nicht  ein;  sobald  es  besohlen
  werde,  könne  der  dänische  Gottesdienst  eingeführt  werden.  Sicher
aber  sei  für  die  Jugend  die  teutsche  Katechisation  nachteilig;  wenn
freilich  auch  in  dieser  Sprachc  der  Schulunterricht  erteilt  werde,  so
sei  doch  den  Kindern,  die  in  ihrer  Familie  nur  dänisch  (d.  h.  jütisch)
hörten  und  sprächen,  dieses  ihnen  am  geläufigsten  und  verständlichsten.
und  der  ihnen  in  dieser  Sprache  bei  der  Katechisation  und  der  Vorbereitung
  zur  Konfirmation  erteilte  Religionsunterricht  weit  faßlicher.