IV.  Die  Stadt  Apentade.  275

Wolle  man  etwa  die  „fremden  Gesellen  und  höchst  einzelne  Personen“
berücksichtigen,  die  sich  in  Apenrade  aufhalten  möchten,  so  könnte  jeden
zweiten  Sonntagnachmittag  eine  teutsche  Predigt  und  Kommnnion  gehalten
  werden.  Man  sieht,  das  Hochdeutsche  sollte  vollständig  aus
der  Stellung  herausgedrängt  werden,  die  es  seit  der  Reformation  inne
gehabt  hatte.  Ein  solcher  Vorschlag  ist  bei  Männern,  die  nicht  von
einem  dänischen  Fanatismus  erfüllt  waren,  nur  unter  der  Voraussetzung
  begreiflich,  daß  die  sprachlichen  Verhältnisse,  mit  denen  des
16.  Jahrhunderts  verglichen,  sich  gänzlich  umgestaltet  hatten.  Wenn
sie  nun  von  fremden  Gesellen,  wahrscheinlich  mit  niederdeutscher  Rede,
sprechen,  so  erklärt  sich  dieses  aus  der  zahlreichen  Einwanderung  von
Handwerkern,  die  damals  infolge  der  französischen  Konskription  aus
Deutschland  nach  Norden  flohen.

Auch  für  die  Elementarschulen,  in  denen  nur  deutsch  unterrichtet
ward,  halten  die  Kirchenvisitatoren  die  Einführung  der  dänischen  Sprache
weit  zweckmäßiger;  es  sei  beim  Unterricht  kein  geringes  Hindernis,
wenn  die  Jugend  erst  mit  der  deutschen  Sprache,  worin  sie  sonst
keine  Ubung  erhalte  als  bloß  in  der  Schule,  bekannt  gemacht  werden
müsse,  ehe  sie  von  dem  Vorgetragenen  einigen  Nutzen  haben  könne.
Selbst  für  die  deutsche  Kantorschule,  die  ihre  Schüler  nicht  unmittelbar
auf  die  Universität  Kiel  sende,  sondern  nur  für  die  Gelehrtenschule
vorbereite,  sei  um  so  weniger  Anlaß  eine  Ausnahme  zu  machen,  als
die  größte  Zahl  der  Zöglinge  aus  solchen  bestehe,  die  sich  später  dem
Handel,  den  Gewerben  und  der  Seefahrt  zuwendeten.  Wenn  daher
so  wie  in  den  Schulen  der  übrigen  dänischen  Provinzen  auf  Verlangen
  Lehrstunden  in  der  deutschen  Sprache  gegeben  würden,  so
könnte  füglich  der  sonstige  Unterricht  auch  hier  in  dänischer  Sprache
erteilt  werden;  die  Lehrer  hätten  sich  auch  imstande  erklärt,  auf  Dänisch
zu  unterrichten  und  nur  mit  Rücksicht  auf  die  älteren  Schüler  einen
allmählichen  Ubergang  zur  dänischen  Sprache  gewünscht.

Wie  stellen  sich  nun  diesen  Vorschlägen  gegenüber  die  städtischen
Behörden?  Ihr  Bedenken  vom  6.  April  1811  gibt  uns  darüber
nähere  Auskunft.  Bürgermeister  und  Rat  suchen  möglichst  den  deutschen
  Standpunkt  zu  wahren,  wenigstens  zum  Teil  die  deutsche  Predigt
  zu  retten,  und  begründen  dies  nach  der  Weise  jener  Zeit:  Die
Sprache,  die  das  Kind  mit  der  Muttermilch  eingesogen,  worin  der

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