IV.  Die  Stadt  Apenrade.  279

hältnissen  gibt,  nur  auf  halber  Wahrheit  beruht.  Die  Stadt  Apenrade,
sagt  er,  zähle  4500  Einwohner,  die  gegen  800  Familien  oder  selbständige
  Haushaltungen  bildeten;  nur  30  davon  bedienten  sich  der
deutschen  Sprache  als  Umgangssprache;  20  von  diesen  seien  aus  südlichen
Gegenden  eingewandert,  von  den  anderen  10  seien  5,  bei  denen  entweder
  der  Mann  oder  die  Frau  deutsch  geboren  oder  eingewandert
sei  und  von  denen  der  eine  Teil  sich  nach  der  Sprache  des  Deutschgeborenen
  richte;  die  übrigen  5  Familien  seien  eingeborene  Nordschleswiger,
  die  behaupteten,  daß  Deutsch  ihre  Muttersprache  sei;  sie  sprächen
es  deshalb  unter  sich,  obgleich  ihre  Eltern  „dänisch  redende“  Nordschleswiger
  gewesen;  doch  mache  eine  Familie,  eine  jüdische,  eine  Ausnahme,
  setzt  er  in  hämischer  Weise  hinzu;  diese  sei  die  einzige  Familie
in  Apenrade,  die  mit  Recht  sagen  könne,  daß  Deutsch  ihre  Muttersprache
sei.  Von  allen  diesen  30  Familien  könnten  nur  2  nicht  „dänisch“
sprechen.  Mit  dem  Abzuge  der  Menge  von  Advokaten,  Arzten,  Schulmeistern,
  die  sich  wie  Wölfe  in  Schafskleidern  eingeschlichen,  in  das
Land  ihrer  Sehnsucht,  habe  das  Deutsche  die  letzte  Stütze  verloren.
Wie  man  sieht,  wiederholt  sich  auch  hier  das  gewohnte  Spiel  mit  den
Worten  deutsch  und  dänisch;  man  erfährt  nicht,  ob  damit  die  Literatursprachen
  oder  die  niederdeutsche  und  jütische  Mundart  gemeint  sind;  auch
wird  durch  die  obigen  Bemerkungen  schwerlich  die  Behauptung  des
Minoritätsvotums  widerlegt?2),  wonach  in  Apenrade,  ebenso  wie  in
Hadersleben,  Sonderburg  und  Tondern,  infolge  des  deutschen  Sprachunterrichts
  bis  zum  Jahre  1850  die  meisten  Einwohner  der  (hoch)--deutschen
  Sprache  mächtig  seien  und  diese  in  vielen  angeseheneren  Familien
  die  Umgangs=  und  Familiensprache  bilde.  Das  Ende  der  Dänenherrschaft
  und  der  Sprachrestripte  (1864)  schuf  auch  hier  dem  Deutschtum
wieder  freie  Bahn;  wenn  eine  Schätzung  bei  Adler  auch  nur  ungefähr
das  Richtige  trifft,  wonach  von  1418  Familien  im  Jahre  1889  bei
einer  Einwohnerschaft  von  5348  im  Umgange  untereinander  und  mit
den  Kindern  577  nur  die  dänische  (d.  h.  jütische  Mundart,  zum  geringen
Teil  die  dänische  Literatursprache)  338  Familien  nur  die  deutsche  (darunter
  21  die  plattdeutsche)  und  503  Familien  sich  beider  Sprachen

1)  Ständezeitung  v.  J.  1853—54  S.  662ff.
2)  Ständezeitung  von  1853—  54  S.  684  und  Anhang  S.  431.