280  C.  Die  nationale  Entwickelung  der  Städte.

bedienten,  ja  selbst,  wenn  man  Clausens  ganz  ungünstige  Schätzung
(77%,  dänisch  (ftisch),  2  %  beide  Sprachen,  21  deutsch)  zugrunde
legt,  so  kann  bereits  damals  ein  ganz  erheblicher  Fortschritt  des  Deutschen
seit  1864  nicht  geleugnet  werden.  Auch  in  Apenrade  stehen  die  politischen
Wahlen  in  starkem  Widerspruch  mit  den  Ergebnissen  der  Zählungen  über
die  sogenannte  Muttersprache.  Die  Ursache  liegt  auch  hier  in  der  falschen
Stellung,  die  man  der  herrschenden  jütischen  Mundart  zuweist.  Während
bei  den  Reichstagswahlen  vom  Jahre  1867  bis  1898  die  deutschen
Stimmen  von  48  auf  59  0  neben  9  0  sozialdemokratischen  stiegen,
die  dänischen  von  52  %  auf  31  %  sanken,  wurden  im  Jahre  1903
603  deutsche,  333  dänische  und  193  sozialdemokratische  Stimmen  abgegeben.
  Wenn  sich  Sprachen  und  nationale  Gesinnung,  hier  insbesondere
jütische  Mundart  mit  nationaldänischer  Gesinnung,  deckten,  so  müßte
sich  das  umgekehrte  Verhältuis  herausstellen.  Eine  Zusammenstellung
der  Aufnahmen  über  die  Haussprache  der  Kinder  in  den  Volksschulen
in  den  Jahren  1901  und  1906  gibt  dafür  einen  sicheren  Beweis:
Deutsch  Dänisch  (jütisch  Beide  Sprachen
190901)1  336  738  131
19060)  302  715  150

Im  allgemeinen  läßt  sich  feststellen,  daß  auch  in  Apenrade,  wie
in  den  Städten  überhaupt,  die  Ubung  des  Hochdeutschen  als  Umgangssprache
  stetig  von  Jahr  zu  Jahr  im  Steigen  begriffen  ist,  unter  den
Kindern  namentlich  bei  den  Mädchen,  die  ebenso  wie  in  Tondern  das
feinere  Hochdeutsche  der  jütischen  Mundart  vorziehen.  Daneben  beginnt
auch,  den  älteren  Verhältnissen  gemäß,  das  Niederdeutsche,  besonders
bei  Maurern,  Fischern  und  Seeleuten,  sich  geltend  zu  machen.  Im
großen  und  ganzen  herrscht  trotz  des  allmählichen  Vordringens  des
Deutschen  noch  als  Umgangssprache  die  jütische  Mundart  vor,  wie  in
der  ganzen  ländlichen  Umgebung,  obwohl  diese  verhältnismäßig  wenig
auf  die  sprachlichen  Verhältnisse  der  Stadt  einwirkt.  Die  denische
Literatursprache  ist  für  Apenrade  ebenso  wie  für  die  anderen  Städte
als  Umgangssprache  ohne  jegliche  Bedeutung.

1)  Während  1901  die  Kinder  der  damaligen  Knabenmittelschule  mitgerechnet
sind,  sind  für  1906  die  Zöglinge  der  inzwischen  eingerichteten  königl.  Realschule
nicht  mitgezählt.