V.  Die  Stadt  Hadersleben.  289

1585  —  1625  ergeben  sie  ein  höchst  bezeichnendes  Resultat.  Neben
zahlreichen  jütischen  Namen  auf  -Sen,  die  im  wesentlichen  die  landwirtschafttreibenden
  Elemente  vertreten,  finden  wir  nun  folgende  Familiennamen,
  die  sich  sehr  oft  in  größerer  Zahl  wiederholen,  in  den  Listen
aufgeführt:  Becker,  Bartscher,  Balbierer,  Bilthouer,  Bockbinder,
Bödeker,  Böß-  oder  Büssenmacker,  Bryggenlegger,  Bruchsnider,
Dakdeker,  Dregher  (Drechsler),  Felbereder,  Fohrman,  Feldhöder,  Fürböther,
  Glaser,  Glaßmaker,  Gardener,  Goldsmit,  Groffsmit,  Haveknecht,
  Hakelsnider,  Harkesnider,  Hoker,  Hotmaker,  Hothfllter,
Jeger,  Kannengeter,  Kannendreger,  Ketelschmit,  Klensmit,  Koppersmit,
  Kramer,  Lademaker  (Kistenmacher),  Mesmaker,  Mahler,  Muhrman,
  Muhrmeister,  Neteler  (Nabelmacher),  Overscher,  Potter,  Peltzer,
Roßkamer,  Raademaker,  Refsleger,  Rhemer,  Remensnider,  Rothgeter,
Schewerdeker,  Scheper,  Sadeler,  Schröder,  Schnitger,  Schipbuwer,
Schomaker,  Schwertfeger,  Schmit,  Snider,  Schütte,  Tegeler,  Tegelmeister,
  Timmerman,  Töffelmaker,  Trummeler,  Wageman,  Wagendriwer,
  Werckmester,  Wewer.  Daraus  geht  hervor,  daß  um  1600,
und  wahrscheinlich  schon  zur  Zeit  der  Reformation,  jedenfalls  im  Laufe
des  16.  Jahrhunderts  das  ganze  Gewerbe  und  Handwerk  in  den  Händen
von  eingewanderten  Deutschen  war,  die  damit  auch  dem  Niederdeutschen
  in  Hadersleben  sicher  einen  festen  Halt  gewährten;  sonst  wäre  es
auch  nicht  zu  erklären,  wie  von  1585.—  1650  fast  die  gesamten  Straßen
in  allen  Urkunden  nur  niederdeutsche  Namen  tragen;  da  kennt  man
keine  einzige  gade  mehr,  keinen  gammelthing,  kein  Gammelhadersler;
überall  treten  allein  Formen  auf,  wie  Borchstrat,  Presterstrat,  Klosterstrat,
  up  der  hogen  straten,  in  der  Slotstraten,  Badstuffstrate,  Jungkfruwegangk
  oder  Jungfrugangk,  up  dom  olden  ding,  Papagoienstrat  u.  a.
Wie  hätte  auch  ohne  gesicherte  Stütze  in  der  Bürgerschaft  das  Niederdeutsche
  sich  solange  in  der  städtischen  und  kirchlichen  Kanzlei  behaupten
können,  als  längst  in  der  landesherrlichen  Kanzlei  der  übergang  vom
Niederdeutschen  in  das  Hochdeutsche  erfolgt  war?

König  Christian  III.  hatte  noch  mehrfach  niederdeutsch  an  die  städtischen
  Behörden  geschrieben,  1531  (Jan.  18.)  dem  M.  Johann  Slavius  und
seiner  Frau  eincn  solchen  Exspektanzbrief  auf  ein  Haus  nach  dem  Tode
Johann  Hunmsborgs  erteilt  und  Bürgermeister  und  Rat  angezeigt  (1533,
Sept.  24),  daß  er  Antonins  Kayser  mit  150  .4  lübsch  von  der  Stadt

Sach,  Das  Lerzogtum  Schleswig.  IIl.  19