292  C.  Die  nationale  Entwickelung  der  Städte.

der  Stadt,  der  Gilden  und  der  Handwerker,  noch  weniger  auf  die  Pastorate
  der  Nachbarschaft.

Zu  verwundern  ist  es  nun  gerade  nicht,  wenn  die  Marianer
her  Johan  Borchschriwer,  Peter  Tollener  und  Peter  Hanssen  in  einer
ungedruckten  niederdeutschen  Urkunde  (1541)  der  Familie  der  Ahlefeldts
als  Patronen  und  Vorstehern  der  Marianerkapelle  alle  kleynodia,
segel  und  breve  überweisen;  aber  auffallend  ist  es  doch,  wenn  der
sicher  nur  dänisch  predigende  Geistliche  von  Alt-Hadersleben,  Knud
Bertelsen  (11574),  als  der  Herzog  ihn  in  einem  hochdeutschen  Erlaß
auffordert,  die  Einkünfte  seines  Pastorats  genau  anzugeben,  im  Jahre
1563  folgendes  niederdeutsche  Verzeichnis  davon  einreicht.

Von  (van)  allem  korn  den  (de)  15.  garff,  darvon  (van)  der  (dem)  pastor
dreedecel  werd  thogeworpen.  —  Quicktegende  (Viehzehnt)  uti  jam  apud  nos.
—  12  mark  botter,  6  brode,  1  käs,  2  schl.  von  (van)  jeder  bohble,  he  sy
groth  edder  klein.  —  De  landbohlen  gawen  nach  der  koy  (kog),  jede  2  Mk.
botter.  —  Lactare  en  styt(g)  eyer,  tho  sildbörd  6  pf.  —  Cffer  en  schl.  up
winachten,  6  pf.  pingsten.  Begroffnisse  en  alt  (olt)  mensch  4  schl.,  en  kint
2  schl.  Sponsalia  4  schl.  Introductoria  2  schl.  Terragia  by  der  kirchen
(kerken)  12  schl.  Hadersl.  —  En  last  korn  uth  allen  van  der  rechton  presterbawe,
  so  LaB  und  Morten  Soel  up  wannen,  so  van  K.  M.  König  Friderich
  unde  Christian  tho  der  gammel  Lirchen  (kerken)  gegewen  hebben  und
daran  döreh  .  .  ..)

Die  Ratskanzlei  bleibt  noch  während  des  ganzen  Jahrhunderts
der  alten  Weise  treu.  Am  22.  Juli  1553  melden  Bürgermeister  und
Rat  dem  Herzog  Haus,  daß  ihr  Pastor  M.  Antonius  Kayser  gestorben
  sei,  und  bitten  einen  „finen,  gesckikeden  und  gelerten  man“
an  seine  Stelle  zu  setzen;  1572  schreiben  sie  ebenso  niederdeutsch  an
die  Stadt  Hamburg  und  erlassen  noch  am  24.  November  1500  eine
niederdeutsche  Verordnung,  die  Präsentation  und  Wahl  der  Geistlichen
betreffend,  an  die  Bürgerschaft.  Soweit  es  sich  nach  der  im  Jahre  1627
durch  Brand  hervorgerufenen  Vernichtung  des  städtischen  Archivs  feststellen
  läßt,  stammt  die  erste  hochdeutsche  Bekanntmachung  der  städtischen
Behörden  aus  dem  Jahre  1604,  worin  den  Bürgern  eine  Verordnung
Christians  IV.  mitgeteilt  wird.  Dann  tritt  eine  Zeit  des  Schwankens

1)  Rhode:  Samlinger  266.  Die  Abschrift  des  verlorenen  Originals  ist
ziemlich  ungenan;  z.  B.  für  van  jeder  bohle,  he  müßte  es  richtig  heißen:  van
jeckem  bohle,  idt.  Das  richtigere  habe  ich  in  Klammern  im  übrigen  hinzugefügt.
