296  C.  Die  nationale  Enwickelung  der  Städte.

ein  Bild  der  Sprache  zu  geben,  teilen  wir  einzelne  Stellen,  die  ein
gewisses  Interesse  haben,  daraus  im  folgenden  mit:
1622:  Jochim  Sludt  vann  Larenßberch  im  lande  tho  Meckenborch,

einem  armen  prediger  na  deß  heren  prawestes  bevgelich  wegen  der  kercken
gewen  VIII8;
noch  einer  armen  fruwenn  von  Luneborch  VIII8;
noch  einem  armen  prediger,  so  van  den  Ccalvinisten  vordrewen,  gegewen
VIII  ;

1626:  twe  abgebrandten  van  Reichenbach  nah  des  heren  probsten
zettel  gewen  IK:  —  einn  Ertzbischoff  van  Genecia,  noch  twe  arme  verdrerene
predigers  —  noch  en  ander  verdreven  pastor  —

1651:  Ein  tofft  by  dem  hilligen  Crütz  schuldet  12  K;  eine  wische
by  dem  billigen  Crütze  liegt  etwaß  bF.  Gammelma;  und  endet  sick  by  dem
Wandelingwege,  schuldet  I  Ort.  bafer,  darvan  de  heiffte  1  1.  14  ꝓ;
noch  ein  ander  wisch  by  Schenkolsbeck,  hesthow  genömet,  schuldet  1  K.

1653:  Thomas  Steffens  vor  de  löcker  in  alle  de  stötte  gebohret,  den
PTinstmaj  darin  thosetten  —  12  6.

Nicht  weniger  als  die  Kirchenrechnungen  tragen  die  Aufzeichnungen
der  städtischen  Kämmereien  niederdeutschen  Charakter,  soweit  sie  vom
Jahre  1629  an  enthalten  sind.  Die  erste  hat  niederdeutsche  Formen
mit  einzelnen  hochdeutschen  Wendungen,  die  folgenden  sind  rein  niederdeutsch,
  die  vom  Jahre  1633  dagegen  dänisch,  dann  folgen  wieder
niederdeutsche  Rechnungen  bis  zum  Jahre  1642,  wo  das  Hochdeutsche
ansetzt,  das  aber  im  Laufe  des  Jahrhunderts  mehrfach,  z.  B.  1682,
1686,  1688,  vom  Dänischen  unterbrochen  wird.  Dieser  Wechsel
in  der  Sprache  erklärt  sich  durch  den  fast  jährlichen  Wechsel  der
Kämmerer,  von  denen  jeder  die  Sprache  schrieb,  die  er  am  meisten
beherrschte.  Hervorzuheben  ist  aber,  daß  alle  Rechnungen,  mochten
sie  niederdeutsch  oder  dänisch  abgefaßt  sein,  von  dem  Stadtschreiber
auf  hochdeutsch  beglaubigt  und  „abgehöret“  werden.  Da  in  diesen
Rechnungen  die  Sprache  eines  niederdeutsch  schreibenden  Haderslebener
Bürgers  jener  Zeit  zu  Worte  kommt,  so  teilen  wir  im  folgenden  einige
Stellen  der  Rechnung  mit,  die  im  Jahre  1634  von  dem  Kämmerer
Wilhadtz  Knudtzen  dem  Stadtschreiber  vorgelegt  ward:

Ersten  den  1.  Febr.  den  beiden  wechtern  ehren  quartoll,  vorflathen  up
winacht,  ider  gegewen  5  L.

Arders  Man,  dodengr#wer,  gegewen  tho  sin  klcet  5..