V.  Die  Stadt  Hadersleben.  301

Beamten  und  Gebildeten  mehr  oder  weniger  zurückweichend,  auf  der
anderen  durch  die  jütische  Mundart  bedrängt,  die  aus  der  ländlichen
  Umgebung  immer  neue  Stärkung  empfing,  mußte  es  nach  und
nach  zurücktreten  und  dem  Jütischen  mehr  freie  Bahn  geben.  So  erklärt
  sich  auch,  daß  der  Generalsuperintendent  Klotz,  der  in  der  Flensburger
  Propstei  das  Hochdeutsche  durchzuführen  suchte,  im  Jahre  1649
vorschlug,  „in  Haterkloben  in  der  Statt  eine  Denische  Catechismus-Schule“
  zu  halten.  Gegen  Ende  des  Jahrhunderts  tauchen  auch
wieder  einzelne  Kämmereirechnungen  und  Protokolle  der  Innungen  in
dänischer  Sprache  auf,  so  daß  Hadersleben  in  der  zweiten  Hälfte  des
16.  und  der  ersten  Hälfte  des  17.  Jahrhunderts  mehr  eine  deutsche
Stadt  genannt  werden  konnte,  als  im  18.,  seitdem  das  Jütische  in
dem  Niederdeutschen  nicht  mehr  einen  so  gefährlichen  Nebenbuhler  hatte.
Die  politische  oder  nationale  Gesinnung  der  Bevölkerung  ward  aber
durch  diesen  sprachlichen  Vorgang  so  gut  wie  gar  nicht  berührt.  Auch
in  Hadersleben  herrschte  bis  in  die  erste  Hälfte  des  19.  Jahrhunderts
hinein  der  „Holsteiner“;  wir  können  seine  Spuren  vom  Jahre  1547
bis  1815  in  Stammbüchern  und  Hochzeitsgesängen  noch  heute  deutlich
verfolgen,  ja  noch  bis  in  die  vierziger  Jahre  des  vorigen  Jahrhunderts,
bis  in  die  Zeit  der  politischen  und  sprachlichen  Kämpfe  nachweisen.)

Die  Berichte  der  Geographen  und  Reisenden  des  18.  Jahrhunderts
melden  in  der  Regel  nichts  mehr  von  einer  niederdeutschen  Sprache
in  Hadersleben;  wenn  sie  die  sprachlichen  Verhältnisse  berühren,  so
kennen  sie  meist  nur  den  Gegensatz  zwischen  deutsch  und  dänisch.  Es
fragt  sich  nur  dabei,  was  sie  darunter  verstehen.  Wir  haben  schon
oben  gesehen  (S.  208),  was  es  mit  der  Bemerkung  bei  Büsching,  „in
Apenrade,  Sonderburg,  Hadersleben  rede  man  pur  dänisch“  auf  sich
hat,  und  wissen  bereits,  daß  der  kundige  Hansen  dieses  später  (1770)
mit  den  Worten  richtiggestellt  hat,  daß  hier  „plattdeutsch“  und  dänisch
(d.  h.  jütisch)  gesprochen  werde  neben  dem  Hochdeutschen,  dessen  sich  die

1)  Zu  den  in  Abt.  II.  85  ff.  gegebenen  Beispielen  füge  ich  hier  noch  ein
bemerkenswertes  hin  zu;  es  betrifft  die  Familie  des  Bürgermeisters  Tancke.  In
einem  Carmen  nuptiale,  lateinisch  und  hochdentsch,  begrüßt  dessen  Sohn  Heinrich
seinen  Bruder  Christian  zu  seiner  Hochzeit  mit  einer  Norwegerin  Brigitta  llaug;
wie  sein  Vater  sich  früher,  so  neunt  er  sich  auch  einen  lolsatus  und  unterzeichnet
  sich:  ab  Henrico  Tanckio,  Hattersleb.  Holsato  Anno  1643.