304  C.  Die  nationale  Entwickelung  der  Städte.

letzten  Viertel  des  18.  Jahrhunderts  nur  kümmerlich  gegen  2000  Einwohner.
  Sprachlich  daneben  von  der  ländlichen  Umgebung  abhängig,
hatte  das  Deutschtum  einen  schweren  Stand.

Das  im  Jahre  1773  angelegte  Christiansfeld  mit  seiner  tüchtigen
gewerbtreibenden  hochdeutschen  Bevölkerung,  die  mit  ihren  Fabrikerzeugnissen
  Hadersleben  völlig  in  den  Schatten  stellte,  drohte  gegen
Ende  des  18.  Jahrhunderts  den  geringen  Wohlstand  der  Stadt  gänzlich
zu  untergraben;  erst  die  Menge  der  deutschen  Handwerker,  die  infolge
der  französischen  Aushebung  in  den  beiden  ersten  Jahrzehnten  des
19.  Jahrhunderts  nach  Norden  flohen,  machte  auch  Hadersleben  wieder
konkurrenzfähig  und  gab  zugleich  dem  Deutschtum  eine  Stärkung,  die
sich  in  der  Folge  auch  in  der  Sprache  als  dauernd  erwies.  Daraus
findet  denn  das  Bedenken,  welches  am  10.  Februar  1811  Bürgermeister
  und  Rat  über  die  städtischen  Sprachverhältnisse  abgaben,
eine  genügende  Erklärung;  die  Sprache  des  gemeinen  Mannes  sei
allerdings  ein  „Jargon  des  Dänischen“,  womit  sie  nach  der  damals
allgemein  herrschenden  Auffassung  die  jütische  Mundart  bezeichnen
wollen;  beinahe  jeder  verstehe  aber  und  die  gebildete  Klasse  spreche  auch
deutsch.  Beide  Sprachen  seien  den  meisten  so  geläufig,  daß  mancher
eine  Periode  in  der  einen  Sprache  anfange  und  sie  mit  der  anderen
ende,  ohne  sich  dessen  bewußt  zu  sein.

Von  einigem  Interesse  erscheint  eine  Bestimmung  der  Sprachverhältnisse,
  wie  sie  Laurup  im  Jahre  1843  vornahm.  Unter  deutsch
versteht  er  dabei  sowohl  hoch=  als  niederdeutsch,  unter  dänisch  die
westjütische  Mundart  und  die  dänische  Literatursprache.  Von  986
besteuerten  Familien  und  einzelnen  Personen  sprachen  nach  ihm  vorherrschend
  deutsch  189,  die  sich  aus  90  Fabrikanten,  27  Kaufleuten,
43  Beamten,  Arzten,  Advokaten,  Lehrern  und  29  Pensionisten  und
Tagelöhnern  zusammensetzten;  dazu  kamen  noch  an  deutschen  Fabrikarbeitern
  und  Gesellen  gegen  50.  Abwechselnd  sprachen  deutsch  und
dänisch  (jütisch)  90  Familien  und  einzelne  Personen,  fast  ausschließlich
dänisch  (jütisch)  651,  ungerechnet  die  Dienstboten,  die  meistens  nur  der
jütischen  Mundart  kundig  waren.  Laurup  fügt  dann  noch  einige  Bemerkungen
  hinzu,  die  für  seine  Zeit  bezeichnend  sind;  die  deutsche  und
dänische  Sprache  hätten  sich  hier  in  Jahrhunderten  brüderlich  vertragen
und  würden  es  auch  fernerhin,  „wenn  man  nur  die  Sache  ihren  natür-