VI.  Die  Stadt  Tondern.  307

Da  Hadersleben  mehr  als  die  anderen  nordschleswigschen  Städte
einer  Einwanderung  von  Dienstboten,  Arbeitern  u.  a.  aus  Jütland  ausgesetzt
  ist  und  neuerdings  vielfache  Bestandteile  aus  der  jütisch  redenden
  Umgebung  in  sich  aufnimmt,  so  haben  die  sprachlichen  Verhältnisse
nichts  Auffallendes.  Voraussichtlich  wird  es  so  lange  eine  zweisprachige
Stadt  bleiben,  als  die  ländliche  Umgebung  von  der  jütischen  Mundart
beherrscht  wird.

VI.  Die  Stadt  Tondern.

Der  Name  Tundaer  tritt  zuerst  in  den  Jahren  1214  und  1215
urkundlich  sicher  auf  1)  und  erhält  sich  in  dieser  Form  besonders  in  Zusammensetzungen
  wie  Tunderherit  (1318),  Tunderleen  (1545),  Tunder
harde  (1668)  vereinzelt  noch  lange;  daneben  erscheint  (1284)  zweimal,  soweit
  ich  sehe,  die  eigenartige  Form  Tunderis.  Schon  früh  beginnt
der  niederdeutsche  Einfluß  sich  geltend  zu  machen  und  die  Form  Thunderen,
  Tundern  (z.  B.  Ludolfus  de  Thunderen  1295.  1296)  einzudringen,
  um  dann  seit  dem  14.  Jahrhundert  zu  fast  alleiniger
Geltung  zu  gelangen.  Litlac  tundaer  (dänisch)  wird  die  Stadt  1307
genannt,  Lütke  Tunderen  1404.  und  diese  Bezeichnung  ist  neben
hus  to  Tunderen  im  Gegensatz  zu  Mykaeltonder  (1243),  Myklactundaer
  (1340),  Grotentundern  (1530),  uff  grossen  Tunderenn  (1548),
in  der  Folgezeit  allgemein  üblich,  wenn  auch  in  deutschen  amtlichen  Registern
noch  um  1652  —65  die  alte  Form  Tunder  neben  dem  heute  gebräuchlichen
  Tondern  auftritt.  Die  eigentlich  dänische  Form  Thönder,
Thönderleen  (1553,  56)  kommt  meines  Wissens  nur  in  spezifischdänischen
  Urkunden  vor.)  Nach  Analogie  des  benachbarten  Hothaor

34,  69,  44;  gemischt  4,  18,  11;  mit  überwiegend  deutsch  im  Gymnasium  und
überwiegend  dänisch-jütisch  in  Rcalschule  und  Vorschule]  sind  nicht  mitgerechnet;
1906  ist  die  Auguste  Viktoria=  Schule  (Mädchen)  ausgeschlossen  (1906:  117  deutsch,
52  jütisch-dänisch,  13  beides).

1)  M.  R.  Flor,  1  1759:  Nachrichten  von  der  Stadt  Tundern,  zusammengetragen
  1758.  Cammerer:  Histor.  pol.  Nachrichten  II.  691  ff.  Provinzialber.  1780
1.  6.,  1790.  2.  E.  Carstens:  Die  Stadt  Tondern  1861.  Alle  gedruckten  Quellen
geben  aber  für  unsere  Betrachtung  wenig  Aufklärung.  Die  maßgebenden  urkundlichen
Nachrichten  sind  dem  Stadtarchiv  entnommen;  für  ihre  Nachweisung  und  Mitteilung
  bin  ich  dem  Herrn  Lehrer  W.  Nanusen  zu  besonderem  Dank  verpflichtet.

2)  Hasse  I.  296.309.  322;  II.  854.  883  u.  a.  St.  1284  Tunderis  II.666.  Sigillam
  fratrum  minorum  de  TFnderis;  die  Deutumg  dieser  Namensform  bleibt  dunkel.

3)  Seidelin:  Fleosb.  diplomat.  II.  571.  659.

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