308  C.  Die  nationale  Entwickelung  der  Städte.

(Hoyer)  und  Daler  (1242)  muß  Tundaer  seiner  geographischen  Lage
gemäß  ebenso  wie  Opn-er  (Apenrade)  auch  in  seiner  Endsilbe  auf  ein
Wort  zurückgehen,  das  uns  im  Altnordischen  eyrr,  „arena,  Strand“
vorliegt.  Während  aber  jene  beiden  Orte  deutlich  in  ihrer  ersten
Silbe  auf  ihre  hohe  und  niedrige  Lage  hinweisen,  bleibt  Tund-  ziemlich
  rätselhaften  Ursprungs.  Wäre  es  mit  dem  Stammwort  ags.  tynan
„umzäunen"“  oder  tun,  das  in  allen  germanischen  Sprachen  auftritt,  im
Angelsächsischen  das  „Umzäunte"“.  Ort,  Gehöft,  im  Altmordischen  „eingehegtes
  Gehöft’  bedeutet,  in  Berbindung  zu  bringen,  so  würde  die
Lage  der  Stadt  auf  einer  Insel  der  Widau  und  ihre  Geschichte  keinen
Widerspruch  erheben.  1½)  Analoge  Namen  finden  sich  kaum  irgendwo,
wenn  man  nicht  etwa  Töndering  bei  Skive  oder  auf  niedersächsischem
Gebiete  Tunderion,  Tunderin  (1004,  1025),  j.  Tündern  an  der  Weser
heranziehen  will.  Wie  viel  man  auch  über  das  friesische  Tondern
geredet  hat,  der  Name  steht  in  einem  so  scharfen  Gegensatze  zu  allen
friesischen  Bildungen  und  entspricht  so  sehr  den  jütischen  Namen  seiner
nächsten  nördlichen  Umgebung.  daß  an  einer  ursprünglich  jütischen
Herkunft  nicht  gezweifelt  werden  kann.  Freilich  können  trotzdem  in
früher  Zeit  Friesen  einen  Bestandteil  der  Bevölkerung  gebildet  haben,
aber  in  der  geschichtlichen  Überlieferung  treten  sie  nirgend  mehr  hervor.
  Auch  ist  die  Hoyer=  und  die  spätere  Tunderharde  trotz  an  de
flth  und  Utbölingh  niemals  zum  friesischen  Utland  gerechnet,  sondern
gehörte,  soweit  unsere  Kunde  reicht,  zu  dem  Teil  des  Herzogtums,
der  mit  dem  Namen  Südjütland  bezeichnet  ward.:)  Indes  nimmt

1)  Die  Volkssprache  benennt  die  Stadt  Thyuer  (Carstens  4;  Kok  s.  v.);
diese  Form  würde  der  obigen  Deutung  von  tFnan  „umzäunen“  nicht  widerstreben.


2)  Über  die  friesischen  Ansiedelungen  an  der  Widau  siehe  Abt.  II.  212
Aum.  Nach  dem  Erdbuch  von  1543  war  die  Bevölkerung  in  „by  der  Ouwe“
(Andaeflth)  noch  fast  rein  friesischen  Stammes;  damals  ist  sicher  auch  dort  noch
friesisch  gesprochen.  Unter  den  tondernschen  Flurnamen  kennen  wir  neben  einem
niederdeutschen  Reotwall  und  jütischen  Namen  wie  Kargard  (von  karr  Sumpf),
Spanckholm  (von  spang  Steg),  Lusborch  (vergl.  oben  S.  220  und  II.  151)  1543,
auch  cinige  fricesische  Benennungen  wie  Ausham  (vom  Personcunamen  Awe),
Gyldenham,  Aschesodde  (vom  Personennamen  Asco  und  odde  die  Spitze):
aber  für  einen  friesischen  Bestandtcil  der  tondernschen  Bevölkerung  beweisen  sie
wenig.  Die  1570  vom  Herzog  erworbenen  122  Stavenländereien  werden  Brarup-