VI.  Die  Stadt  Tondern.  311

herrlichen  Kanzleien,  von  denen  die  des  Herzogs  Hans  wohl  zum
letztenmal  1556  ein  niederdeutsches  Schreiben  an  die  Stadt  richtet.
Das  erste  tondernsche  hochdeutsche  Gesuch  an  den  Herzog,  aber  mit
niederdeutschen  Formen  vermischt,  stammt  wohl  aus  dem  Jahre  1587;
aber  dem  Jahre  1589  gehört  noch  eine  niederdeutsche  Supplik  an,
und  ebenso  schreiben  Bürgermeister  und  Rat  noch  1601  niederdeutsch
an  den  Amtmann,  dann  wieder  1607  hochdeutsch  an  die  juristische
Fakultät  in  Rostock  wegen  einer  Entscheidung  in  einem  Hexenprozeß,
und  von  1614  an,  wo  sie  sich  auf  hochdeutsch  an  den  Besiter  von
Schowbullgard  wenden,  scheinen  sie  sich  in  allen  äußeren  Angelegenheiten
  nur  mehr  dieser  Sprache  zu  bedienen.  Eins  der  letzten  niederdeutschen
  Schreiben  des  Nates,  gerichtet  an  den  Amtmann,  betrifft
einen  Todschlag  und  hat  folgenden  Wortlaut:

Edler  gestrenger  und  erentvester  grothgunstiger  here  amthman,  demnach
  Peter  Jepsen  tho  Burkarll  uns  tho  vorstahnde  gegewen,  wath  maeten
ho  sines  brodern  Assmus  Jepsen  halwen,  so  vor  ettlicken  jahren  in  unser
stadt  einen  dodtschlach  gedbaen,  an  J.  E.  umb  frede  und  geleide  in  underdenicheit
  suppliceret,  darbinewen  beschiniget,  dat  J.  E.  sick  darup  gunstiglich
  orkloret,  under  andern  awerst  dat  he  van  uns  einen  schin  utbringen
schollen,  dat  wy  ehme  luten  unsem  gerichte  unbeklaget  laten  wolden,  alss
is  darup  usere  bestendige  erkleringe,  dat  wij  gerne  ehm  tho  sinen  freden
unsers  rechtens  unvorfencklich  beförderth  sehen  und  vormerken  können,
doch  dat  he  unse  stadt  miden  und  jegen  dersulwen  privilegien  tho  handeln
und  banteren  sick  entholden  schollen;  up  den  unvorhapenden  wiedrigen  fall
awerst,  werdt  he  sine  egen  eventur  stahn  möten,  welches  J.  E.  wy  tho
früntlicher  antwordt  denstlich  nicht  hebben  vorentholden  schollen  mit  empfehlung
  göttliches  schutzes.)

Auch  die  Gerichtsprotokolle  bis  zum  Jahre  1614  kennen  nur
noch  niederdeutsche  Aufzeichnungen;  das  vom  Jahre  1608  —  1614  hat
folgenden  Eingang:

Here  lath  minen  gangk  gewisse  syn  in  dinen  worden,  und  lath  nehn
unrecht  awer  my  heischen,  verlöse  my  von  der  minschen  vrovelo,  so  will
ik  holden  din  bevehl.  Ps.  119.  v.  133—34.

1)  Der  Amtmann  Wolf  Blome  schreibt  noch  1663  niederdeutsch,  siehe
oben  S.  206,  doch  ist  das  „Tondersche  Ambtes  Erdbuch  de  anno  1613“  bereits
hochdeutsch.  Es  heißt  darin  von  „Tundern“:  „Die  Bürgers  und  Einwohners
der  Stadt  Tundern  alß  120  Häuser  haben  nachgeschriebene  Ländereyen  eigenthümblich
  zu  gebrauchen,  und  ist  beteichet  Land  bewesten  und  Süden  der  Stadt
belegen  782  Demath.“