VI.  Die  Stadt  Tondern.  317

Dänisch  verstehe:  wi  forstäer  int  dee  dansk  (d.  h.  die  dänische  Schriftsprache).“
  „—  Doch  kommen  einzelne  altdänische  Worte  vor,  deren
die  dänische  Konversation  zum  Teil  entbehrt,  z.  B.  karmen  1).  Auch
hat  man  hier  iernkrümer  (isenkraemer).  Der  Charakter  unserer
hiesigen  Volkssprache  ist  gemäß  der  Belegenheit  unseres  Ortes  natürlich
der  einer  gemischten  Sprache.  In  einigen  Häusern  wird  auch  deutsch
gesprochen,  in  manchen  wenigstens  mit  den  Kindern.“  Unter  den
Sprachproben  der  damaligen  tondernschen  jütischen  Mundart,  die  aber
durchaus  nicht  eine  Mischsprache  ist,  ist  ein  auch  sonst  in  Nordschleswig
verbreitetes  Liebeslied  bemerkenswert,  das  wir  hier  deswegen  mitteilen
  wollen  2):

Ub,  wenn  min  kjerrest  dog  wihl  komm,

han  ä  för  har  seo,  wenn  han  dog  kaam,

stras  wihl  à  gi  ham  et  kys  aa  sin  mun,

aasse  wenn  denn  war  skiern  a  uls  blo-i,

sihn  haan  wibl  à  aansse  grif  med,  saa  warm,

wenn  der  ansse  war  en  slang  om  sihn  finger.

Ub,  wenn  ü  bläst  ei  forstand,

den  frisk  foraars  pust,  wenn  denn  kun  tal,

et  onl  skul  denn  bring  hen,  an  et  ord  skul  denn  bring  tebag.

Med  etterrettninger  skul  denn  rigte  ül,

imell  tu,  der  elsker  ä#  nw'n.

Heller  forsmaaer  ä  di  beest  spiis,

heiler  forglemmer  ä  i  steeg  an  praestes  bohr,

sum  ä  sSkul  forla'r  min  hjarts  elskede.

han  som  ä  i  ä  sömmer  fik  fat  aa,

han  som  ä#  ä  winter  fik  fast.

Das  Jahr  1864  bezeichnet  auch  für  Tondern  einen  Wendepunkt
in  den  Sprachverhältnissen.  Bei  der  angeordneten  Abstimmung  stimmten
von  den  509  Hausvätern,  die  von  606  daran  teilnamen,  507  für
deutsche  Kirchen=  und  Schulsprache,  1  für  dänische  und  1  für  beide
Sprachen.  Die  Folge  war  die  Wiedereinführung  des  Hochdeutschen
in  seine  früheren  gesetzlichen  Rechte.  Im  Jahre  1889  brauchten  nach
Adlers  Aufstellung,  die  jedoch  in  bezug  auf  das  „Dänische“  von  Clausen

1)  karm,  ein  geschlossener  Wagen,  alin.  karmr,  ein  eingeschlossener  Raum,
schwed.  karm;  auch  früher  für  eine  Portochaise  gebräuchlich.

2)  Nach  Carstens  wird  das  Lied  in  mehreren  Dialekten  Nordschleswigs
Berlinske  Avis  1855  N.  116  mitgcteilt.