318  C.  Die  natlonale  Entwickelung  der  Städte.

bestritten  wird  1),  von  416  Familien,  die  in  der  Bürgerrolle  aufgeführt
waren,  als  Umgangssprache  etwa  181  die  hochdeutsche,  13  die  „dänische"
und  222  beide  Sprachen.  In  dem  übrigen  Teile  der  Bevölkerung,
mit  wechselndem  Bestande,  der  sich  durch  Zuzug  aus  der  meist  jütisch
redenden  Umgebung  der  Stadt  ergänzt,  war  die  „dänische“  d.  h.
jütische  Volkssprache  in  größerem  Maßstabe  herrschend,  aber  doch  in
allmählichem  Abnehmen  begriffen.  Alle  bürgerlichen  Häuser  waren
beider  Sprachen  mächtig;  plattdentsch  hörte  man  noch  selten.  In  sehr
vielen  solchen  Familien,  in  denen  die  Eltern  unter  sich  und  im  Verkehr
  mit  anderen  dänisch  (ütisch)  als  Umgangssprache  brauchten,  ward
bereits  mit  den  Kindern  hochdeutsch  —  nur  in  seltenen  Fällen  plattdeutsch
  —  gesprochen.  Daraus  erklärt  es  sich  auch,  daß  man  die
Kinder,  die  vor  dem  Jahre  1864  meist  die  jütische  Mundart  auf  der
Straße  sprachen,  bereits  damals  vorwiegend  hochdeutsch  reden  hörte.
Auch  hier  tritt,  wenn  man  die  politischen  Wahlen  mit  den  Ergebnissen
  über  die  Muttersprache  vergleicht,  ein  starker  Gegensatz  hervor,
und  zwar  in  noch  höherem  Maße  als  bei  Apenrade  und  Hadersleben.
Die  Reichstagswahlen  ergaben  für  das  Jahr  1867  73%  deutsche,
27%  dänische  Stimmen,  für  das  Jahr  1898  bereits  88  %  deutsche
neben  9%  sozialdemokratischen  und  nur  3%  dänische.  Während  so
die  dänische  Gesinnung  so  gut  wie  verschwunden  ist,  weisen  die  Aufnahmen
  über  die  Muttersprache  nach,  wie  wenig  die  jütische  Mundart
an  sich  mit  einer  dänischen  Gesinnung  verbunden  ist.  Bei  dem  Mangel
der  amtlichen  Ergebnisse  für  die  Muttersprache  in  den  einzelnen  Städten
teile  ich  hier,  um  ein  Bild  der  heute  in  Tondern  herrschenden  Sprache
zu  geben,  die  Zählung  der  Haussprache  der  Kinder  in  den  Volksschulen
  aus  dem  Jahre  1906  unter  Ausschluß  der  Realschule  und  der
Seminarübungsschule  mit;  unter  dänisch  ist  dabei  die  jütische  Mundart
zu  verstehen.  Von  Mädchen  (377)  redeten  zu  Hause  nur  deutsch  204,
deutsch  und  dänisch  57,  dänisch  115,  friesisch  1,  von  Knaben  (169)  nur
deutsch  106,  deutsch  und  dänisch  19,  dänisch  39.  Wie  in  Apenrade
sprechen  auch  hier  die  Mädchen  ganz  überwiegend  hochdeutsch;  auf
den  Spielplätzen  fällt  nur  selten  ein  „dänisches-Wort.  Dagegen  bedienen
  sich  die  Knaben  unter  sich  noch  in  größerem  Umfange  der  „däni-1)

  Adler  in  Zeitschrift  XXI.  56.  Clauson:  Sönderj.  Anrböger  1893  S.  99.