Das  jütische  Lov  in  niederdeutscher  Sprache.  327

alles  in  sinem  vorstande,  wat  ider  wordt  eigentlick  bedüdet,  vorstünden.
Derwegen  nicht  alleine  de  vam  adel  gewünschet  unde  vorlangen  gehat,  dat
so  eino  gewisse  erkleringe  darup  hebben  mochten,  sonder  hefft  de  gemeno
man  unde  inwaner  des  landes,  de  am  meisten  mit  unrechte  beschweret
werdon,  darümme  sick  gesenet,  dat  se  dorchuth  solcker  erer  begehr  geweret
werden  mochten,  einen  gewissen  düdeschen  text  vor  sick  hedden.

Bereits  im  Jahre  1603  erschien  eine  neue  Ausgabe,  zum  Beweise
wie  allgemein  diese  Übersetzung  in  amtlichen  Gebrauch  gelangte;  ja
noch  1717  ward  sie  in  Flensburg  aufs  neue  mit  einer  Glosse  des
ehemaligen  Schlesw.  Hofgerichtsadvokaten  Joachim  Blüting  als  fortlaufendem
  Kommentar  herausgegeben  und  durch  ein  Reskript  vom
5.  Februar  1722  allen  Gerichten  im  ganzen  Herzogtum  befohlen,  sich
dieser  Ausgabe  zu  bedienen.  1)  Infolgedessen  verdrängte  der  niederdeutsche
  Text  auch  im  nördlichen  Schleswig  den  neudänischen  und
bildete  fortan  für  das  ganze  Gebiet  des  Herzogtums  die  alleinige
Rechtsquelle.  Es  ist  eine  merkwürdige  Erscheinung,  wie  die  niederdeutsche
  Fassung  des  jütischen  Lovs  bei  den  Hardesgerichten  noch  in
voller  Geltung  und  Übung  stand,  als  bereits  lange  fast  überall  die
hochdeutsche  Sprache  bei  ihnen  zur  Einführung  gelangt  war.  Wegen
der  hohen  Bedeutung  dieser  Ekenbergerschen  Übersetzung  für  das  Gerichtswesen
  unseres  Landes  und  deren  Sprache  will  ich  hier  einige  z.  T.
noch  bis  in  die  neueste  Zeit  gültigen,  eigenartigen  Bestimmungen  mitteilen,
  die  zugleich  auf  die  früher  behandelten,  älteren  agrarischen
Verhältnisse  ein  helles  Licht  werfen.

Cnp.  47.

Is  dar  ein  klein  dörp  gebuwet  in  dat  veldt  unde  se  hebben  alle  acker
unde  wische  gedelet  unde  wurden  kiven.  wat  tho  deme  kleinen  dörpe  unde
wat  tho  deme  groten  dörpo  gehöro,  dat  schölen  weten,  de  in  deme  Adelbye
id  est  in  deme  groten  dörpe  wanen.

Düncket  den  ock,  de  in  dem  groten  dörpe  wanen,  dat  dat  kleine
dörpen  tho  schaden  gebuwet  were,  so  mögen  so  dat  kleino  dörp  wedderümme
infördern,  so  en  de  schade  nicht  tho  Iydende  wore.

Wil  den  dat  kleine  dörp  nicht  folgen,  so  mögen  so  dat  mit  lagedagen
tho  dinge  updreven.

Sitt  dat  kleine  dörp  dar  baven  averhörig  (wen  idt  lowlich  upgefördert
unde  upgedeelct  is),  so  moth  idt  folgen  unde  geldet  des  köninges  recht
undo  brökc.

1)  Ratjen:  Handschriften  II.  89.  Mif.