Dingswinden  zur  Zeit  des  Sprachübergangs.  329

jetzt  zu  einer  andern  Amtssprache  überzugehen  und  gewissermaßen  dreisprachig
  zu  werden?

Die  Zeit  dieses  Sprachübergangs  hat  denn  auch  in  den  uns
erhaltenen  Dingzeugnissen  merkwürdige  Spuren  hinterlassen.  Man  erkennt
  daraus,  wie  sich  die  bäuerlichen  Hardesvögte  und  die  Sandleute
abmühten,  möglichst  der  neuen  Weise  gerecht  zu  werden,  wenn  sie
ein  amtliches  Zeugnis  ablegen  sollten.  Zwei  Urkunden  mit  ihren  halb
niederdeutschen,  halb  hochdeutschen  Sprachformen  mögen  davon  Zeugnis
ablegen.  Die  erste  ist  eine  der  frühesten  hochdeutschen  Dingswinden,
die  wir  kennen,  aus  der  Wiesharde  und  von  dem  Hardesvogt  Jess
Boyssen  und  von  zwei  Sandleuten  im  Jahre  1589  über  eine  Streitsache
  der  Flensburger  Marienkirche  ausgestellt;  die  andere  stammt  aus
dem  Kirchspiel  Sterup  in  der  Nieharde,  und  enthält  aus  dem  Jahre
1641  ein  Zeugnis  der  Grundeigner  über  eine  Wegesache;  besonders
die  letztere  Urkunde  zeigt,  wie  den  Bauern  des  Kirchspiels  Sterup  das
Niederdeutsche  damals  in  Fleisch  und  Blut  übergegangen  war.  #

1.  Dingswinde  der  Wiesharde  vom  4.  Dez.  1589.

Wptlick  und  kundt  sy  allermünniglich,  so  dit  dingeswinde  lesen  oder
hören  lesen,  dat  nach  Christi  unsers  seligmackers  gebubrt  im  1559  sten
jahre,  den  4&amp;ten  tag  des  monats  Decembris  behegedes  und  upgerichtes  rechten
vor  mi  Jess  Boissen,  hürdes  voigt,  und  den  twein  sandtleuten  Tüge  Tamssen
und  Hanick  Tugssen,  in  Wielhärde  erschenen  seyn  die  ehrbahrn  und  achtbarn
  —  alse  kirchgeschwaren  und  karspellcute  unsere  licben  frawen  kirchen
zu  Flensburgk  und  amsleuten  desselbigen  car#spells,  und  nochmahlen,  wat
sie  auch  aufm  vorgangenen,  den  30.  Octobris  gehaltenen  dinge  gethan,  gebetten
  und  gefürdert,  ihnen  dingeswinde  und  zeugnisse  mitzutheilen  und
zu  geben  —  Nachdeme  nun  auf  solche  geschehene  frage  das  gantze  allgemeine
  harde  sich  mit  einander  deßfals  beredet  und  beducht  und  wiederumb
woblbedachts  modes  nachfolgende  achte  ehrliche  männer  und  hardes  leute  —
binnendinges  wiederumb  eingekamen  und  durch  Lass  Tügssen,  ihren  vobrmann,
  alsagen  laten  und  von  wegen  ibrer  aller  bezeugen  laten,  dat  so  tho
keiner  tidt  oder  ock  vor  dieser  tidt  von  solchem  briefe  nicht  gewetten  edder
ock  deusulven  tho  dinge  nicht  hadden  lesen  hören  alse  alleine  am  vergangenen
  dinge  dage,  welcker  den  11.  Septembris  dieses  itzigen  jahres  gebalten
worden,  und  danne  ock  up  protestation  und  vorbedingunge  der  vorstender
des  hospitals  —  wormit  sie  —  dit  dingeswinde  damahls  gehindert  und  auf-1)

  G.  Cläden:  Histor.  Abh.  von  den  bey  der  Stadt  Flensburg  belegenen
Kirchen-Hölzungen  1773.  S.  18.