330  D.  Die  Sprache  der  Dinggerichte.

gehalten,  keine  andere  schristliche  beweise  oder  uhrkunde,  wie  sie  idt  damahls
gebetten,  vorgebracht  oder  gezeuget:  all  habe  ich  Jess  Boiessen,  hardes
voigt  obgemeldt,  ihnen,  den  vorstendern  und  kirchgeschwaren  der  kercken
zu  unser  lieben  frawen,  dit  dingeswinde  nicht  weigern  sollen,  sondern  ihnen
zu  dere  behuff  nachfolgende  achte  unberüchtigde  hardes  leute  gegönnet  und
aulgenommet  —  welcke  bey  ehren  waren  worden  bewunden  und  betüget,
dat  sick  alle  dinge  also,  wie  oben  gemeldt,  in  der  wahrheit  begeben  und
thogedragon  und  sie  solche  des  gantzen  hardes  und  innwanern  und  von
wegen  dehülven,  der  vorgenömeden  achte  framer  leute  bekentnüsso  und
tostand  binnen  dinges  angehört  badden,  ihnen  ock  sülvest  sollichs  alles  woll
bewußt  were.  Des  in  ubrkundt  haben  neven  mi  Jess  Boissen,  hardesfoigt,
die  zwev  sandt  leute  dit  dingeswinde  vorsiegelt.  Actum  anno,  loco  et  dic
ut  supra.

2.  Zeugnis  der  Grundeigner  von  Sterup  1641.

Wy  grundegere  in  Sterup  Caspell,  als  bekennen  hiemit  oflentlich,
daß  wir  aus  befehl  unser  hohen  obrigkeit  eine  richtigkeit  wegen  des  stridigen
weges  zwischen  der  wohledlen  fruwen  Anna  Manteuffels  zum  Süderseh  und
Nichel  Hansen  to  Brunnbbüll  treffen  und  machen  sollen,  wen  wi  dan
hirinnen  flitich  nageforschet  und  kenen  andern  afgelegten  wegh  erfragen
noch  finden  können  alß  den  groten  herwegh,  de  uht  dem  dorpe  Gronholt
beht  nah  Südensche  geiht  und  welchon  so  woll  Ihr.  kgl.  Mayt.  undersahten
als  dohmherrun  lüde  beht  an  Südensche  und  Stenderup  fahren  möchten,  und
ock  vor  ditzen  von  der  wolledlen  fruwen  undersahten  is  gefahren  worden,
all  hebben  wi  kenen  andere  wegh  mit  gutem  gewehten  dorch  eines  ehrlichen
  mannes  hoff  nehmen  noch  leggen  konnen,  sondern  sind  darup  den
9.  December  anno  1640  vom  Brik  Laßen  tho  Gronholt  sin  hofruhm  angegangen
  beht  in  den  groten  herwegh  und  hebben  der  woledlen  fruwen  dißen
groten  und  richtigen  wegh  thoerkant,  ehr  ock  mit  unsern  eiden  thogeschwaren,
hapen  ock  solches  vor  Cott  und  unser  hohen  obricheit  mit  gutem  geweten
tho  verantworden.  —

Nach  und  nach  gewann  erst  in  der  ländlichen  „amtlichen“  Sprache
in  diesen  Gebieten  das  Hochdeutsche  die  Alleinherrschaft;  aus  einer
größeren  Zahl  sogenannter  Willkürsbriefe  oder  Dorfbeliebungen  1)  aus
dem  Kreise  Flensburg  lernen  wir,  wie  die  Bauerschaften  vom  Jahre
1669  an  sich  nur  der  hochdentschen  Sprache  bedienen,  wenn  sie  für
ihre  landwirtschaftlichen  und  auch  gesellschaftlichen  Verhältnisse  Satzungen
feststellen  wollten.

1)  G.  C.  Nerong:  Willkürsbriefe  oder  Dorfsbeliebungen  aus  dem  Kreise
Flensburg  1900;  das  Buch  enthält  25  solcher  Willkürsbriefe,  darunter  nur
einen  niederdeutschen  aus  Großenwiehe  v.  J.  1623.