342  E.  Die  Sprache  der  Kirche.

heit  ys,  dat  schal  he  mit  reinen  wörden  uthsprecken,  so  dat  he  möge  vorstan
  werden;  yn  sonderbeit  schal  sick  ein  prediger  aller  scheldwort  unde
bittericheit  entholden  ock  nemande  up  dem  predigstole  mit  namen  straffen,
allene  de  laster  ynt  gemene  hen  unde  wat  he  vor  gewisse  gebhört  hefft,  anfechten
  unde  vordbmen;  wes  eme  nicht  bewust,  darvan  mach  he  swigen,
schal  ock  vicht  up  de  papisten  schelden,  idt  sy  denne  dat  ydt  de  vormaningo
  unde  exempel  erfordern.

So  wille  wy  ock  vorbaden  und  affgelecht  hebben  alle  belden,  de
wunderteken  don,  als  men  sick  bedüncken  lett,  darben  sick  de  gemene
man  lawet  unde  van  andern  örden  unde  landen  benlopen,  wente  ein  yder
man  weth  nu,  dat  solckes  nicht  anders  dan  affgöderye  ys,  ock  schal  dith
vorstan  werden  van  allen  andern  belden,  dar  men  vor  süth  yennich  nygent
edder  ander  affgöderye  gescheen.

De  kerckendener,  so  tho  solckem  ampto  des  geistes,  dat  ys  thor  predekie
  des  ovangelii,  geordineret  sint,  scholen  darvan  geholden,  angeseen
unde  geehret  werden,  so  lange  8e  yn  der  lere  unde  lewende  reine  bliwen,
scholen  sick  nicht  tho  börgerliken  edder  andern  handeln  indrengen,  de  erem
ampte  nicht  anstaen.

Up  den  dörpern  schal  geliker  wise  dat  gewöntlike  cvangelion  des  sondages
  geprediget  werden  eine  halwe  stunde  lanck,  de  ander  helffte  schal  de
catechismus  gelort  werden;  wo  den  yo  etlike  van  kerckheren  so  ungeschicket
weren,  dat  se  sulwest  nicht  recht  predigen  könden,  mögen  se  uth  düde--schen
  postillen  van  worde  tho  worden  eren  carspellüden  vorlesen  sowol  de  uthdüdinge
  des  evangelii  alse  des  catechismi,  beth  so  lange  se  ock  sulwest
predigen  leren,  dartho  se  sick  mit  der  tidt  gewennen  unde  beflitigen  scholen.

Der  letzte  Absatz  deutet  bereits  auf  die  eigentliche  Kirchensprache
hin,  die  für  unsere  Untersuchung  besonders  in  Betracht  kommt.  Es
ist  bekannt,  wie  die  lateinische  Sprache  ganz  den  Anschauungen  Luthers
gemäß  0  in  der  Liturgie,  der  gemenen  messe  mit  ihrem  Wechselgesang,
nicht  durch  die  Kirchenordnung  beseitigt,  sondern  nur  mit  evangelischem
Geiste  erfüllt  ward  und  infolgedessen  bis  weit  ins  18.  Jahrhundert  hinein

1)  „Ich  will  in  keine  Wege  die  lateinische  Sprache  aus  dem  Gottesdienste
ganz  lassen  wegkommen,  denn  es  ist  mir  alles  um  die  Jugend  zu  tun.  Und
wenn  ichs  vermöchte,  und  die  griechische  und  hebräische  Sprache  wäre  uns  so
gemein  als  die  lateinische  und  hätte  so  viel  feiner  musica  und  Gesanges,  als
die  lateinische  hat,  so  sollte  man  einen  Sonntag  um  den  anderen  in  allen  vier
Sprachen,  deutsch,  lateinisch,  griechisch  und  hebräisch  Messe  halten  und  singen.“