352  E.  Die  Sprache  der  Kirche.

ogen  schleit,  wenn  Gy  tho  karken  gahn.  Darum  mot  ick  korte  predigen
dohn,  tweemahl  de  tein  gebade  is  genug;  wenn  de  weg  nich  so  lang  wäre,
wolde  ick  den  glowen  unde  de  sacramenta  dartho  seggen,  awerst  se  hebben
mie  de  tein  gebade  nimmer  bethalet:  wat  scholde  ick  thom  glowen  kamen?
doch  twischen  midtfasten  unde  unse  lewe  fruwen  dag  will  ick  den  cate-Chismus
  in  de  hast  overlopen  unde  alle  sünde  verbeden.  Grötet  Barbara
(conjugem):  ick  will  ehr  de  schokke  kreffte  (Krebse)  schicken  tho  dee  3  stieg
eyer,  welcke  södder  nich  sind  gedacht  worden.  Datum  Leuth  den  12.  Febr.
anno  1578.  —  Dem  würdigen  und  gelahrten  Herrn  Doctor  Paul  von  Eytzen,
unwürdigem  deener  des  göttliken  wordes  by  Hartog  Adolph  tho  Gottorp  by
der  Schly.  Minom  günstigen  fründ  viscere  et  corde  tho  händen  fründlich
geschrewen.

Der  gute  Christiani  erhielt  trotz  der  Krebse  die  erbetene  Stelle
nicht  und  mußte  bis  an  seinen  Tod  „twischen  Leuth  und  Tarstede
fleuten  gahn“.

Aus  dem  17.  Jahrhundert  teilen  wir  zunächst  ein  Stück  einer
niederdeutschen  Predigt  mit,  die  wegen  ihrer  Derbheit  und  Naturwüchsigkeit
  für  jene  Zeit  bezeichnend  ist.  Der  Verfasser  war  mitten
in  der  Predigt  „seines  böse  ungezäumbten  maules  halber“,  wie  es  in
der  Klageschrift  heißt,  von  einem  angegriffenen  Bauern  mit  scharfen
Worten  unterbrochen.

3.  Predigt,  so  herr  Jürgen  tho  Hackstedt  anno  1628  geholden.
Evangelium  am  4ten  Sonndage  na  trinitatis  Lucae  am  4ten  (r.  6)
Capitel:  Darum  weset  barmhartig,  als  ju  vader  barmhartig  is  etc.  1)

Nun  is  vatter:)  wedder  up  de  kanzel  gekamen,  sienen  fründen  tho
trost  un  sienen  fienden  tho  trotz.  JF,  de  iF  christen  sind,  mit  ju  will  ick
schnacken;  i  grinet  nicht,  lachet  nicht,  girret  nicht,  wenet  noch  tutet  nicht,

1)  Zeitschrift  XII.  165  sf.  Wie  die  Predigt  in  ihrem  Wortlaut  in  die
Gerichtsakten  gekommen  ist,  ist  nicht  leicht  zu  erklären.  Herr  Jürgen  wird  sie
kaum  vorher  schriftlich  abgefaßt  und  später  eingereicht  haben,  und  von  den  Zuhörern
  kann  sie  auch  schwerlich  nachträglich  ausgeschrieben  sein.  Der  Inhalt
stimmt  sonst  mit  dem,  was  man  über  den  ganzen  Hergang  aus  den  Akten,  insbesondere
  aus  einem  Kirchspielzeugnis,  weiß.  Vergl.  S.  173.  Ubrigens  machen
sich  in  der  Sprache  der  Predigt  außer  manchen  hochdeutschen  Formen  mehrfach
die  Besonderheiten  des  schleswigschen  Niederdeutsch  geltend;  ein  Holsteiner  würde
etwas  andere  Formen  gebraucht  haben.

2)  Uber  dem  Worte  ratter  steht  in  der  Handschrift  „bullers  geschrieben,
was  „Polterer“  bedeuten  könnte;  es  kann  daneben  auch  eine  Anspielung  auf
seine  Herkunft  aus  Biolderup  enthalten.